Aktion gegen die Krise Fed, EZB und BoE drehen Geldhahn auf

Die führenden Notenbanken der Welt, darunter Fed, EZB und Bank of England, stellen dem Markt mehr Liquidität in Aussicht. Der Eingriff wird an den Börsen begeistert aufgenommen - und von Beobachtern kritisch kommentiert.  
Kein Mangel: Die Notenbanken wollen offensichtlich dafür sorgen, dass der Geldmarkt nicht erneut austrocknet

Kein Mangel: Die Notenbanken wollen offensichtlich dafür sorgen, dass der Geldmarkt nicht erneut austrocknet

Foto: DPA

Hamburg - Die wichtigsten Notenbanken der Welt stellen den globalen Finanzmärkten in einer überraschenden und koordinierten Aktion mehr Geld zur Verfügung. Ziel der Aktion sei, die Spannungen an den Märkten zu reduzieren und damit auch die Realwirtschaft zu unterstützen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Notenbanken am Mittwoch.

So hätten sich die Zentralbanken darauf geeinigt, die Kosten bestehender Dollar-Swaps ab dem 5. Dezember um 50 Basispunkte zu reduzieren. Beteiligt an der Auktion sind die Europäische Zentralbank (EZB), die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) sowie die Notenbanken Kanadas, Japans, Großbritanniens und der Schweiz.

An den Aktienmärkten löste die Aktion ein Kursfeuerwerk aus: Der Dax  baute seine Gewinne auf mehr als 4 Prozent aus und übersprang die Marke von 6000 Punkten. Auch der Euro  gewann gegenüber dem Dollar deutlich an Wert.

Nach Ansicht des Volkswirtschaftlers Klaus Adam ist die Aktion geeignet, das Vertrauen ins europäische Bankensystem zu stärken. Die europäischen Geschäftsbanken würden in die Lage versetzt, sich billiger als bislang in US-Dollar zu refinanzieren, sagte der Professor der Universität Mannheim. Der dafür gültige Zinssatz sei in einem ungewöhnlichen Schritt um 50 Basispunkte gesenkt worden.

"Letztlich ist es eine Hilfe für das europäische Bankensystem", sagte Adam. Die Banken hätten in der letzten Zeit Schwierigkeiten gehabt, sich in Dollar zu refinanzieren, weil ihre in Euro laufenden Wertpapiere von der Gegenseite zunehmend nicht mehr als Sicherheiten akzeptiert worden seien. Die EZB sei dazu hingegen bereit.

"Nur ein Herumlaborieren am Symptom"

Zuvor hatte bereits China eine Lockerung der Geldpolitik bekanntgegeben. Auch darauf hatten die Aktienmärkte mit Kursgewinnen reagiert. China stemmt sich der Maßnahme gegen die sich abzeichnende Konjunktureintrübung. Die Notenbank des Landes senkte am Mittwoch erstmals seit drei Jahren den Satz, den die Geschäftsbanken als Mindestreserve bei ihr hinterlegen müssen, wie die People's Bank of China in Peking mitteilte. Die Änderung tritt ebenfalls zum 5. Dezember in Kraft. Der Mindestreservesatz sinkt dann um 0,5 Punkte auf 21 Prozent. Zuletzt hatte die Notenbank den Satz während der Finanzkrise im Dezember 2008 gesenkt.

"Es zeigt, dass alle Beteiligten den Ernst der Lage erkannt haben", erklärte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. "Zusammen mit der Senkung der Mindestreserve-Anforderungen in China ist das sehr hilfreich. Heute ist die Geldpolitik am Zug und zeigt damit, dass die der Weltkonjunktur unter die Arme greift."

Es gab allerdings auch zahlreiche skeptische Stimmen. Ein Aktienhändler etwa sagte: "Ich denke, diese Maßnahme wird nur kurzfristig Entspannung bringen, aber löst nicht die Vertrauenskrise. Die kann nur von der Politik beeinflusst werden." Dabei verwies er auf den Ende der nächsten Woche anstehenden EU-Sondergipfel.

"Der Markt mag Liquidität", sagte Giuseppe Amato von Lang & Schwarz. "Allerdings muss man abwarten, ob sich die Lage am Interbankenmarkt entspannt. Denn dies ist nur ein Herumlaborieren am Symptom, fundamental ändert sich nichts." Auch Amato fordert konkrete Schritte der Politik. "Das Zeitfenster schließt sich immer schneller", sagt er. "Bislang wurde kaum etwas von dem umgesetzt, was angekündigt worden war."

Laut Rainer Sartorius von HSBC Trinkaus tragen die Notenbanken zwar ihren Teil dazu bei, die Finanzkrise zu entschärfen. "Es muss aber klar sein, dass viele Probleme damit nicht gelöst werden", meint er.

cr/rtr/dpa/dpa-afx
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