Mittwoch, 19. Februar 2020

Teure Schuldenfinanzierung Vorerst keine IWF-Kredite für Italien

Hauptsitz des Internationalen Währungsfonds in Washington: Vorerst keine Kredite an Italien

Erst die Spekulation, jetzt das Dementi: Der IWF wird Italien zumindest vorerst nicht mit einem Megakreditpaket in Höhe von 600 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Anleger fordern von Italien dann heute auch weiterhin hohe Zinsen für neue Kredite.

Hamburg - Hohe Zinsen, kein Wachstum: Italien bleibt das große Sorgenkind in der europäischen Schuldenkrise. Der Internationale Währungsfonds (IWF) musste am Montag bereits Spekulationen über ein Milliardenhilfspaket zurückgewiesen. Während die Zinsen für italienische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit erneut über der Marke von 7 Prozent verharrten, sagt die Industriestaatenorganisation OECD dem Land eine Rezession voraus. "Es gibt keine Gespräche mit den italienischen Behörden über ein Programm für eine IWF-Finanzierung", sagte ein Sprecher des Währungsfonds am Montag.

In einem Bericht der Zeitung "La Stampa" hatte es ohne Angabe von Quellen geheißen, der IWF prüfe Hilfen im Volumen von bis zu 600 Milliarden Euro für die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Italien könne die Hilfen zu einem Zinssatz zwischen 4 und 5 Prozent bekommen. Ein Inspektorenteam des IWF werde in den kommenden Tagen in Rom erwartet, ein genaues Datum sei aber noch nicht genannt worden. Italien hatte kürzlich zugestimmt, dass der IWF die Umsetzung der Spar- und Reformpläne der Regierung überwacht.

Die Zinsen für italienische Staatsanleihen hielten sich auch zu Beginn der neuen Woche über 7 Prozent - ein Niveau, bei dem Griechenland, Irland und Portugal Hilfen von Europäischer Union (EU) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch nehmen mussten. Italien bekommt noch Geld von Investoren, muss diese aber mit sehr hohen Zinsen locken. Das Finanzministerium platzierte eine an die Inflation gekoppelte Anleihen mit Laufzeit bis September 2023 im Volumen von 567 Millionen Euro. Den Anlegern musste eine Bruttorendite von 7,3 Prozent geboten werden.

Der nächste Test für das Vertrauen der Investoren in die Sparpläne der neuen Regierung von Mario Monti folgt aber bereits am Dienstag: Dann sollen Staatsanleihen von bis zu acht Milliarden Euro begeben werden. Konjunkturell trübt sich die Lage immer mehr ein. Die OECD geht davon aus, dass die Wirtschaft im kommenden Jahr um 0,5 Prozent schrumpft und 2013 um magere 0,5 Prozent zulegt. Die Stimmung der italienischen Unternehmen hellte sich im November zwar überraschend etwas auf. Der saisonbereinigte Index stieg leicht auf 94,4 von revidiert 94,2 Punkten im Oktober, wie das Statistikamt Istat mitteilte.

Trotzdem bleibt das Stimmungsbarometer auf dem zweitniedrigsten Stand seit Januar 2010 und drückt eher Skepsis als Zuversicht der Firmen aus. Ihre Auftragslage verschlechterte sich erneut, während sich die Produktionsaussichten etwas verbesserten.

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