Globale Auswirkung OECD befürchtet Rezession in Euro-Land

Es ist ein Aufruf gegen Deutschlands Beharrlichkeit: Die OECD fürchtet nicht nur, dass die Euro-Zone trotz der stabilen Bundesrepublik in die Rezession abgleitet. Die gesamte Welt werde in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb fordert die OECD die Aufstockung des Krisenfonds EFSF, um die Gefahr abzuwenden.
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Paris - Der Euro-Raum rutscht nach Ansicht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in eine Rezession. Das Wachstum soll sich laut dem am Montag vorgestellten Wirtschaftsausblick nur auf 0,2 Prozent im gesamten nächsten Jahr belaufen. Um einen Aufwärtstrend herbeizuführen, fordert die OECD, den Euro-Rettungsfonds EFSF aufzustocken und die Europäische Zentralbank (EZB) einzubeziehen.

"Die Krise des Euro-Raums stellt für die Weltwirtschaft derzeit das Hauptrisiko dar", schreibt die OECD in ihrer halbjährlichen Prognose für die 34 Mitgliedsländer. Die Organisation fordert deshalb "klare politische Weichenstellungen". "Die Aussichten verbessern sich nur dann, wenn schnell und entschieden gehandelt wird", sagte OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan in Paris. Eine höhere "Feuerkraft" des EFSF und eine Einbeziehung der EZB müsse mit Reformen einhergehen, die "fahrlässigem Verhalten" entgegenwirkten.

In ihrem Wirtschaftsausblick geht die Organisation von einem "Szenario der halbherzigen Schritte" der Politiker im Euro-Raum aus. Dementsprechend korrigiert die OECD für das kommende Jahr das Wachstum im Euro-Raum von 2 Prozent auf 0,2 Prozent nach unten. Für Ende 2011 und die ersten Monate 2012 sei sogar eine "milde Rezession" zu erwarten. 2013 ist dann mit einem Plus des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,4 Prozent zu rechnen.

Etwas freundlicher sehen die Zahlen für Deutschland aus: Dort wird im nächsten Jahr ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent erwartet, 2013 soll es dann 1,9 Prozent betragen. Die Erholung dürfte in Deutschland laut den Experten stärker ausfallen als in anderen Ländern, da weder private Haushalte noch Unternehmen Schulden abbauen müssen. Der Arbeitsmarkt in Deutschland dürfte nach Ansicht der OECD-Experten weiterhin "robust" bleiben. Im kommenden Jahr sollen die Arbeitslosenzahlen in etwa gleich bleiben, für 2013 rechnet die OECD mit 200.000 Arbeitslosen weniger.

Düsterer sind die Aussichten für Frankreich: Im nächsten Jahr werde die französische Wirtschaft nur um 0,3 Prozent wachsen, prognostiziert die OECD. Für 2013 ist dann laut den OECD-Experten von einem Wachstum von 1,5 Prozent auszugehen. Wegen der schwachen Wachstumszahlen und der steigenden Schuldendienstkosten fordert die OECD in Frankreich zusätzliche Sparmaßnahmen von 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, um das Haushaltsziel 2012 zu erreichen. Die französische Regierung hat bereits zwei Sparpläne für 2012 aufgelegt und einen dritten ausgeschlossen.

In einem Negativ-Szenario beschreibt die OECD die "äußerst verheerenden" Folgen eines "schwerwiegenden negativen Ereignisses", das nicht näher genannt wird. Dann würde der gesamte OECD-Raum mit seinen 34 Ländern in eine Rezession abgleiten. In den USA und Japan würde die Wirtschaftstätigkeit deutlich nachlassen, im Euro-Raum würde sich die ohnehin erwartete Rezession länger hinziehen und verstärken. Auch die Schwellenländer blieben nicht verschont.

Wenige Stunden vor Veröffentlichung des OECD-Berichts hatte die Ratingagentur Moody's gewarnt, dass die Kreditwürdigkeit aller europäischen Staaten durch die Schuldenkrise wanke. Auch ein "positives Szenario" wie der Bankrott nur eines Landes, nämlich Griechenlands, bedrohe die Bonität der europäischen Länder, schrieb Moody's am Sonntag in einer Mitteilung. Die US-Agentur kritisierte insbesondere die "Schwäche der Institutionen" im Euro-Raum, was eine Lösung verhindere.

mg/dpa-afx/dpa
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