Mittwoch, 22. Mai 2019

Black Friday in den USA Shoppingorgie soll die Wende bringen

Black Friday in den USA: Kaufrausch trotz Rezessionsangst
REUTERS

Am heutigen "Black Friday" startet in den USA die größte Shoppingorgie des Jahres. Da die US-Konsumenten verunsichert sind, haben Händler für die Rabattschlacht aufgerüstet: Gap verteilt 3D-Brillen für die Suche nach Schnäppchen, Lowe's gibt 42.000 iPhones aus - und sogar das FBI macht mit.

Vancouver - Es ist die Mutter aller Shoppingschlachten. Der Tag, an dem die Hälfte aller Amerikaner in die Kaufhäuser stürmt. Black Friday hat seinen Namen, weil er im Kalender für die großen Einzelhändler der USA die entscheidende Wende darstellt: Es ist der Tag nach Thanksgiving, wenn offiziell das Weihnachtsgeschäft beginnt und die meisten Einzelhändler zum ersten Mal im Jahr in die schwarzen Zahlen kommen.

"Black Friday" ist der Startschuss für fünf Wochen Geschenke- und Rabattorgien, bei denen mehr umgesetzt wird als im Rest des Jahres. Der heutige Freitag gilt daher als wichtiger Indikator für die Stimmung der Konsumenten, deren Ausgaben 70 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beisteuern.

Diesmal bekommt der Black Friday noch mehr Beachtung als sonst. Denn Amerika musste zuletzt miserable Zahlen zur Konsumstimmung verkraften, und auch das Wachstum der US-Wirtschaft fiel im dritten Quartal geringer aus als erhofft. Die US-Bürger fürchten den Rückfall in die Rezession.

Bis nach Deutschland sind von dem heutigen Massenansturm wichtige Signale für die Konsumstimmung in den kommenden Monaten zu erwarten. Denn die vergangenen Jahre haben gezeigt: Amerikas Konsumenten sind oft ein Frühindikator für das, was in deutschen Kaufhäusern geschieht.

Wer die Konsumzahlen der US-Notenbank mit denen des Statistischen Bundesamtes vergleicht, sieht: Der Konsum begann in den USA schon Ende 2006 einzubrechen. Das erste schwache Verkaufsquartal in Deutschland kam zwar schon Anfang 2007. Doch erst ab Ende 2008 wurden die privaten Konsumausgaben für längere Zeit schwach. Umgekehrt hat der private Konsum in den USA nach der Großen Rezession schneller angezogen als hierzulande. In den USA legte er schon 2010 mit einem Plus von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr kräftiger zu, während in Deutschland der Zuwachs mit 0,6 Prozent noch verhalten blieb.

Um die Stimmung für das Weihnachtsgeschäft in den USA trotz zuletzt trüber Wirtschaftsdaten zu retten, muss ein Befreiungsschlag her - und die beste Chance, die sich dafür bietet, ist eine Einkaufsorgie an diesem Wochenende.

Seit Wochen rüsten die großen Retailer auf - auch FBI schaltet sich ein

Seit Wochen rüsten sich die großen Retailer der USA mit Werbeprospekten, Rabattangeboten und Infokampagnen für die Schlacht um die Käufer. Sogar die Gerüchteküche wird gezielt eingesetzt, um den Hunger der Konsumenten zu steigern. Bis zum FBI schalten sich so ziemlich alle Institutionen der USA in das Rabattgemetzel ein. Die Bundespolizei warnt auf ihrer Webseite sowie auf Zehntausenden von Flugblättern vor Auktionsbetrügern und Identitätsdieben - Amerikas Power-Shopper sollen auch im Rabattrausch Vorsicht walten lassen.

Doch das hält niemanden davon ab, sich in die Kauforgie zu stürzen. Je früher, desto besser. Als erste in der Schlange derer, die das große Rabattfestival kaum erwarten können, haben Amerikas Fernsehsender eine Frau in Florida identifiziert. Sie schlug schon vor Tagen vor dem Laden der Elektronikkette Best Buy in Tampa ihr Zelt auf.

Doch weil Amerikas Konsumenten ziemlich erschöpft und verunsichert sind, muss diesmal noch mehr geboten werden als sonst. Die Discountangebote der Vorjahre sind nur schwer zu steigern.

Also öffnen die Großen der Branche - darunter Wal-Mart Börsen-Chart zeigen, Toys "R" Us und die Bekleidungskette Gap - jetzt einfach noch früher die Shoppingpforten. Die ersten schon um 22 Uhr am Donnerstagabend. Sogenannte "Door Crasher", superbillige Lockangebote, sollen die Kunden in die Ländern ziehen.

Wal-Mart bietet Kinder-Bettdecken für 4,47 Dollar an. JC Penny einen Camcorder für Kinder, der ganze 30 Dollar kostet. Gap gibt 3D-Brillen aus, mit denen man in den Läden ansonsten unsichtbare Supersonderangebote auf einzelnen Produkten findet.

Sears gibt Gutscheinbücher aus, die 3000 Dollar Einsparungen erlauben, wenn man alle abgebildeten Produkte kauft. Und die Mall of America, der größte Shoppingtempel des Landes in Bloomington, Minnesota - wo am Black Friday 300.000 Leute erwartet werden - öffnet schon um Mitternacht, so früh wie nie in seiner Geschichte. Ausgelobt werden 300 Preise zwischen 25 und 1000 Dollar. "Die verängstigten Konsumenten haben zwischen den Einzelhändlern einen fieberhaften Kampf um Marktanteile ausgelöst", erklärt die Direktorin Mary Delk bei Deloitte Consulting in Charlotte, North Carolina.

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