Freitag, 5. Juni 2020

Pflegenotstand Toyota baut Pflegeroboter für Japans Rentner

Altenpflege in Japan: Rentnerroboter im Einsatz
AFP

3. Teil: Von der Roboterhand berührt

Der Zusatzbegriff "Partner" gaukelt ein Verhältnis zwischen Roboter und Mensch vor, welches nicht zu verwirklichen sein wird. Ein Roboter kann nicht zuhören und seine Berührungen ersetzen keinen menschlichen Kontakt.

An der technischen Universität von Georgia wurde untersucht, wie Patienten auf die Berührung von Robotern reagieren. Das Fazit: Partnerroboter werden in ihren Berührungen akzeptiert, solange sie diese aus Pflegegründen ausführen.

Damit das so funktioniert, müssten die Roboter kommunizieren können, wie sie den Patienten pflegen. Der Patient muss weiterhin diese Kommunikation "angemessen interpretieren können." Das klingt, als täte sich ein weites Betätigungsfeld für Kommunikationsforscher auf. Und es klingt nach Problemen. Wenn schon die Mensch-zu-Mensch-Kommunikation ein Pool von Missverständnissen ist, könnte die Mensch-Roboter-Kommunikation ein Fiasko werden.

Bislang ohne Antworten ist die Frage, ob es also künftig Rentner geben wird, die gut versorgt sind, weil sie sich einen Roboter leisten können und solche, die - weil auch Pflegepersonal knapp und teuer ist - alleine vor sich hinvegetieren. Zum Rentner-Reichtum gibt es auch in Japan einen Gegenpart: die Altersarmut. 22 Prozent der Alten bezieht eine Rente, die unter der Hälfte des mittleren Erwerbseinkommens liegt. In Deutschland sind es lediglich 9,9 Prozent. Altersarmut trifft jeden fünften Japaner über 65, so eine Statistik der "Japan Organisation for Employment of the Elderly and Persons with Diabilities". Zu diesen Problemen in direkter Relation stehen die Selbstmord- und Kriminalitätsraten unter alten Menschen. Japan nimmt da eine unrühmliche Führungsrolle ein.

Für Deutschlands Überalterungsprobleme wird Japan wegweisend in der Frage sein, wer die Pflege übernimmt, wer das bezahlt und ob es ein privilegiertes und ein armseliges Siechtum geben wird. Noch hat Toyota für den Pflegeroboter keine Preisvorstellung veröffentlicht. Doch ein Sprecher von Toyota Deutschland versichert, der Vorsatz, den Pflegeroboter für die Masse bezahlbar zu machen, sei groß. "Ein Hilfsgerät für alte Leute soll ja schließlich kein Lexus sein."

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