Freitag, 5. Juni 2020

Pflegenotstand Toyota baut Pflegeroboter für Japans Rentner

Altenpflege in Japan: Rentnerroboter im Einsatz
AFP

2. Teil: Ein ganzer Stadtteil für Seniorenwaren

Die Silbershopper, wie die kauflustigen Rentner genannt werden, werden entsprechend umworben. Was in der deutschen generationsübergreifenden Werbung der Fielmann-Spot, in dem der Sohn vom Vater wissen möchte, was er anders machen würde, könnte er die Dinge noch einmal wiederholen, ist den Japanern die Kampagne des Bierbrauers Kirin. In dieser empfiehlt der 78-jährige Schauspieler Sugawara Bunta seinem jugendlichen Gegenpart ein anständiges Lager von Kirin - und das einzig mit Überzeugungskraft seines verwitterten, markigen Gesichts, das den Jungschnösel an seiner Seite blass wirken lässt.

Die Autoindustrie hat Fahrzeuge entwickelt, die speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten sind. Und unter dem Namen Raku-Raku sind Handys auf dem Markt, die größere Tasten, ein vergrößertes Display und vereinfachte Funktionen haben. Im Stadtteil Sugamo richten sich die Ladenbesitzer mit ihrem Angebot fast ausschließlich an die ältere Kundschaft und verkaufen neben praktischer Unterwäsche und bequemen Schuhen, neben Regenmänteln und Gehstöcken auch Großpackungen Viagra und spezielle Mittelchen zur Erhaltung des Körpers, Geistes und der Schönheit.

Die Rüstigen von heute aber werden die Bettlägerigen von morgen sein, und Japan braucht Lösungen, wie die zu erwartende Lawine an Pflegebedürftigen bewältigt werden kann. Noch sind die Roboter nicht Teil des Alltags, da geraten sie auch schon in die Kritik. Im Deutschlandfunk forderte der Philosph Michael Funke von der TU Dresden, es müsse eine Roboterethik geben und die Bedürfnisse des Nutzers müssten stets im Vordergrund stehen. Doch selbst ein Verhaltenskodex für Partnerroboter wird das Problem der menschlichen Zuwendung nicht klären.

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