Rekordzinsen Schuldenkrise springt auf Spanien über

Neues Warnsignal der Finanzmärkte an die Euro-Zone: Spanien muss Investoren knapp sieben Prozent Zinsen für frische Kredite bieten. So viel verlangten die Anleger zuletzt vor 14 Jahren. Auch Frankreich spürt das Misstrauen der Kreditgeber. 
Börse in Madrid: Investoren nehmen Spanien ins Visier

Börse in Madrid: Investoren nehmen Spanien ins Visier

Foto: Sergio Barrenechea/ dpa

Madrid - Das hochverschuldete Spanien hat sich nur zu deutlich höheren Zinsen frisches Geld am Kapitalmarkt besorgen können. Bei einer Versteigerung von zehnjährigen Staatsanleihen habe das Land 3,56 Milliarden Euro aufgenommen, teilte die nationale Schuldenverwaltung in Madrid mit. Damit lag der Erlös deutlich unter dem anvisierten Maximalziel von vier Milliarden Euro. Der durchschnittliche Zins, sprich die Rendite der Anleger, lag bei 6,975 Prozent - das ist die höchste seit 1997.

Grund für den erneuten Anstieg der Zinsen ist das wachsende Misstrauen der Anleger, ob das Land seine Schulden zurückzahlen kann. Nur noch gegen höhere Renditen sind sie bereit, Spanien Geld zu leihen. Die höheren Zinsen gehen einher mit deutlich höheren Risikoaufschlägen für bestehende Anleihen am sogenannten Sekundärmarkt. Dort handeln Besitzer von Staatsanleihen untereinander. Auch hier erreichte die Rendite mit 6,7 Prozent einen Rekordwert. Die Risikoaufschläge sind damit bereits fast so hoch wie bei Italien.

Spanien vor Regierungswechsel - EZB kauft offenbar Anleihen auf

Experten der HSH Nordbank sprachen nach der Auktion der Spanier von "einem dramatischen Ergebnis". Es zeichne sich ab, dass der Zugang zum Kapitalmarkt für das Land "deutlich erschwert" sei, sagte die Anleihenexpertin Sintje Boie.

Spanien wählt am Sonntag ein neues Parlament. Ein Regierungswechsel von den Sozialisten zu den Konservativen gilt den Umfragen zufolge als sicher.

Händlern zufolge kaufte die Europäische Zentralbank spanische und italienische Papiere, um die Zinsen zu dämpfen.

EU-Kommission erhöht Druck auf Belgien

Gleichzeitig erhöhte die EU-Kommission erhöht den Druck auf Belgien, seine Finanzen zu sanieren. Während sich die Haushaltsverhandlungen in Brüssel offensichtlich dem Ende näherten, bekräftigte ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn die Forderung an das Land, sein Haushaltsdefizit 2012 auf unter drei Prozent zu senken.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte in Berlin, wer glaube, die Europäische Zentralbank (EZB) könne das Problem der Euro-Schwäche lösen, der liege nicht richtig. Die Euro-Krise erfordere eine politische Lösung. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) verlangte, die EZB solle keine Staatsanleihen kaufen.

Debatte um Eingreifen der EZB

Die EZB dürfte aber bereit sein, die Anleihekäufe im Notfall deutlich auszuweiten. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte: "Wir glauben, dass die EZB massiv eingreifen würde, wenn die Währungsunion bedroht wäre. Wir glauben aber nicht, dass sie sich öffentlich dazu bekennen würde."

"Wir glauben immer noch, dass die EZB eher zu einem kraftvolleren Eingreifen bereit wäre, als einen Zusammenbruch des Euroraums zu riskieren", sagte auch Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Allerdings bedeute der Widerstand von Merkel und Bundesbankpräsident Jens Weidmann, dass die Hürde hierfür hoch liege. "Deshalb glauben wir, dass solche Interventionen wirklich erst als allerletzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden."

Frankreich bringt erneut Banklizenz für Euro-Schirm ins Spiel

Frankreichs Finanzminister François Baroin bekräftigte die Idee seines Landes, dem Euro-Rettungsfonds EFSF eine Banklizenz und damit Zugang zur Refinanzierung über die EZB zu geben. Dies sei der beste Weg, eine Ansteckung zu verhindern. Diese Idee war allerdings von den Finanzministern bereits für "erledigt" erklärt worden.

Mit einer fünfjährigen Anleihe nahm Frankreich 3,33 Milliarden Euro auf. Die Rendite stieg von 2,31 Prozent im Oktober auf 2,82 Prozent. Die Nachfrage der Investoren war deutlich schwächer als zuletzt. Mit drei weiteren Anleihen, die zwischen zwei und fünf Jahren laufen, nahm Frankreich zusätzlich 3,6 Milliarden Euro auf. Auch hier legten die Renditen deutlich zu, die Nachfrage war jedoch stärker als bei vorhergehenden Auktionen.

Größtes Sorgenkind der Euro-Zone bleibt jedoch Italien: Die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen überschritten am Donnerstag wieder die kritische Zinsmarke von 7 Prozent.

cte/dpa/rtr
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