Sonntag, 15. Dezember 2019

Neue Regierung unter Mario Monti Italiens Hoffnungen ruhen auf dem Norden

Künftiger italienischer Ministerpräsident: Mario Monti muss schnell handeln

Schlawiner Berlusconi geht, Fachmann Monti kommt - und dennoch ist an den Finanzmärkten das Vertrauen in Italien noch nicht zurückgekehrt. Das Land wird als nächster Wackelkandidat gehandelt. Dabei unterscheidet sich die wirtschaftliche Situation wesentlich von anderen Schuldenstaaten.

Hamburg - Nun ist es offiziell: Mario Monti wird an der Spitze einer Übergangsregierung für Italien stehen, bestehend aus Fachleuten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung. Monti selbst wird nicht nur Ministerpräsident, sondern auch Wirtschaftsminister Italiens, erklärte er am Mittwoch nach Gesprächen mit Staatsoberhaupt Giorgio Napolitano.

Gleichzeitig ging es auch am Mittwoch an den Anleihenmärkten weiter hoch her. Die Papiere gleich mehrerer Länder standen unter Druck, die Kurse fielen, die Renditen stiegen. Unter den Betroffenen erneut: Italien.

Obwohl die Ära des langjährigen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi vorbei ist, trauen die Investoren dem Land derzeit wenig zu. Auch die Aussicht auf eine fachlich versierte Übergangsregierung unter dem ehemaligen EU-Kommissar Monti scheint daran nicht viel zu ändern. Die Zinsen zehnjähriger italienischer Anleihen stiegen am Dienstag und Mittwoch zeitweise wieder auf mehr als 7 Prozent. Neben spanischen und portugiesischen Staatsanleihen kaufte die Europäische Zentralbank (EZB) erneut auch italienische Papiere, um deren Kurse zu stützen.

Die Gründe für die Vorbehalte der Investoren sind klar: Italien verfügt mit etwa 120 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) über einen der höchsten Schuldenberge Europas. In absoluten Zahlen heißt das: Italien hat Schulden in Höhe von rund 1,9 Billionen Euro. Und unter Berlusconi wurden nach Ansicht vieler Beobachter lediglich halbherzige Anstrengungen unternommen, daran etwas zu ändern.

Starker Abschwung, schwacher Aufschwung

Fatal ist das vor allem für den italienischen Finanzsektor, der einen großen Teil dieser Schulden trägt. Staatspapiere im Volumen von fast 150 Milliarden Euro lagern derzeit in den Depots der Institute. Kein Wunder also, dass deren Aktienkurse seit einiger Zeit gehörig unter Druck stehen.

Das ist allerdings noch nicht alles: Auch die italienische Wirtschaft befindet sich zum Großteil in einem unerfreulichen Zustand. "Schwaches Wachstum, geringe Beschäftigungsquote, Alterung der Gesellschaft: Die Schwachpunkte, die die europäische Kommission der europäischen Wirtschaft zuschreibt, sind in Italien in besonderem Maße sichtbar", sagte kürzlich der neue EZB-Präsident Mario Draghi.

Tatsächlich erweist sich die Volkswirtschaft auf der Apennin-Halbinsel gerade in schwachen Zeiten als anfällig - während sie in Aufschwungphasen Mühe hat, zuzulegen. So ließ die jüngste Rezession das BIP Italiens um 6,3 Prozent einbrechen, während im EU-Schnitt lediglich ein Minus von 3,5 Prozent zu Buche stand.

Das international starke Jahr 2010 dagegen schloss Italiens Wirtschaft lediglich mit einem Plus von 1,3 Prozent ab. Im laufenden Jahr wird mit einem Zuwachs von nur einem Prozent gerechnet. In den vergangenen zehn Jahren, von denen Berlusconi acht regiert hat, ist das BIP pro Kopf von 118 Prozent auf 100 Prozent des EU-Schnitts gefallen, rechnete kürzlich die "NZZ" mit Verweis auf Daten von Eurostat vor.

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