Nach Berlusconis Rücktritt Italien sucht den Neuanfang

Die Ära Berlusconi geht zu Ende. 17 Jahre nach seinem Antritt als Premierminister will sich der Cavaliere endgültig aus der italienischen Politik zurückziehen, in Rom gibt es Jubelfeiern. Noch am Sonntag soll ein neuer Premier gefunden werden, als Favorit gilt der Ökonom Mario Monti.
Historische Wende: Junge Römer bejubeln den Abgang Berlusconis

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Foto: Angelo Carconi/ AP

Rom - Staatspräsident Giorgio Napolitano nahm am Sonntag mit Spitzenvertretern des Parlaments und der Parteien Konsultationen über die Nachfolge des am Vortag zurückgetretenen langjährigen Regierungschefs auf. Zunächst traf er nacheinander Senatspräsident Renato Schifani und Parlamentspräsident Gianfranco Fini. Im Gespräch als neuer Ministerpräsident ist der frühere EU-Kommissar Mario Monti.

Möglicherweise steht nach Napolitanos Sondierungen bereits am Abend fest, ob Monti genügend politische Unterstützung hat, um den Auftrag zur Regierungsbildung zu erhalten. Allerdings gibt es bei Berlusconis Koalitionspartner, der Lega Nord, Vorbehalte gegen Monti - sie tendiert eher zu einer vorgezogenen Parlamentswahl. Aus Berlusconis eigener Freiheitspartei gibt es Stimmen, die Angelino Alfano oder den früheren Ministerpräsidenten Lamberto Dini bevorzugen.

Napolitano hat Monti in der vergangenen Woche zum Senator auf Lebenszeit ernannt und damit auch wieder ins politische Rampenlicht befördert. Wegen seiner hohen Staatsverschuldung steht Italien unter einem gewissen Druck, bis zur Öffnung der Finanzmärkte am Montag eine neue Regierung zu präsentieren. Berlusconi trat am Samstag wie angekündigt zurück, nachdem sein Reformpaket vom Parlament gebilligt worden war.

Monti nahm am Sonntag nicht zu den Sondierungen Stellung. Auf dem Weg zur Kirche in Rom von Journalisten befragt, antwortete er: "Haben Sie bemerkt, was für ein schöner Tag heute ist?" Berlusconi dominierte die italienische Politik rund 17 Jahre. Kein anderer Ministerpräsident war in Italien länger im Amt. Nach seinem Rücktritt kam es auf den Straßen Roms zu Jubelfeiern Tausender Menschen.

Vor Berlusconis Rücktritt hatte das Parlament noch ein von Brüssel gefordertes Reform- und Sparpaket verabschiedet. Der 75-jährige Medienzar hatte dies zur Bedingung für seinen Abtritt gemacht. Er hatte zuletzt im Parlament keine Mehrheit mehr.

Berlusconi ist nicht als erster Regierungschef in diesem Jahr über die Euro-Krise gestürzt. Im Februar wurde die langjährige irische Regierungspartei Fianna Fail von Premierminister Brian Cowen abgewählt. Im Juni verlor der Sozialist José Socrates die Macht in Portugal, nachdem er wie zuvor Irland Hilfskredite der EU-Partner und des Internationalen Währungsfonds beantragen musste.

Im Oktober zerbrach die slowakische Regierungskoalition von Ministerpräsidentin Iveta Radicova im Streit über den Euro-Rettungsschirm. Griechenlands Regierungschef Georgios Papandreou trat am vergangenen Mittwoch zurück, um Platz für eine Regierung der nationalen Einheit zu machen. In Spanien stehen in der kommenden Woche vorgezogene Neuwahlen an, die den regierenden Sozialisten von José Luiz Rodríguez Zapatero laut Umfragen eine krachende Niederlage bescheren dürften.

ak/dapd/dpa/afp
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