Kreditrating Moody's stuft Spanien herab

Die Ratingagentur Moody's hat ihre Bewertung der Kreditwürdigkeit Spaniens herabgestuft. Gleich um zwei Stufen wurde die Bonität des Landes gesenkt. Spanien leide unter hohen Schulden von Banken und Unternehmen, die Wirtschaft werde von der Euro-Krise belastet.
Umstrittener Sparkurs: Protest der "Empörten" in Madrid

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Foto: PEDRO ARMESTRE/ AFP

New York - Schuldverschreibungen des Landes würden mit der Note "A1" anstatt wie bisher mit "Aa2" bewertet, der Ausblick sei zudem negativ, teilte die Ratingagentur am Dienstagabend nach Handelsschluss an den Börsen mit. Eine weitere Abstufung in der Zukunft ist somit nicht ausgeschlossen. Am Vortag hatte Moody's Zweifel an der Bestnote "AAA" für das Nachbarland Frankreich angemeldet.

Begründet wurde der Schritt mit der Anfälligkeit Spaniens gegenüber Risiken an den Märkten. Seit Beginn einer Überprüfung des Ratings im Juli sei bisher keine Lösung für die Schuldenkrise vorgebracht worden. Die Gefahr einer Ansteckung durch Entwicklungen innerhalb des Landes mache eine Einstufung in der Kategorie "A" angemessener als in der Kategorie "Aa". Das Land habe einen großen Finanzierungsbedarf und außerdem hochverschuldete Banken und Konzerne.

Selbst wenn bald eine Lösung für die Schuldenkrise präsentiert werde, brauche es Zeit, bis das Vertrauen in die Politik des Landes und in einen robusten Wirtschaftsaufschwung wiederhergestellt seien, erklärte Moody's weiter. Die derzeit schlechten wirtschaftlichen Aussichten auf europäischer und globaler Ebene beeinträchtigten die Situation Spaniens zusätzlich. Ihre Prognose für das Wachstum der spanischen Wirtschaft im Jahr 2012 korrigierte die Ratingagentur von bisher 1,8 Prozent auf 1 Prozent. Moody's schätzte das Haushaltsdefizit im kommenden Jahr auf 5,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das offizielle Ziel beträgt 4,4 Prozent.

Am 7. Oktober hatte zunächst die Ratingagentur Fitch die Bonität Spaniens abgestuft, eine Woche später folgte Standard & Poor's. Beide Agenturen bewerten das Land nun mit der vierthöchsten Note "AA-", also mit einer noch guten Bonität. Moody's ging nun noch einen Schritt weiter: Die Note "A1" ist die fünfthöchste des Unternehmens und bedeutet eine Bonität im hohen mittleren Bereich.

Damit erhöht sich der Druck auf Spanien nochmals, denn je schlechter die Kreditwürdigkeit, desto höhere Zinsen muss Spanien für die Aufnahme neuer Schulden zahlen. Für zehnjährige Anleihen des Landes werden am Kapitalmarkt trotz der massiven Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank Renditen von über 5 Prozent verlangt, ein Risikoaufschlag von 3,3 Prozentpunkten gegenüber deutschen Bundesanleihen. Im Vergleich zu Italien, dem anderen großen Sorgenkind der Euro-Zone, haben sich die spanischen Anleihenkurse in den vergangenen Monaten aber stabil gehalten.

Im November stehen Neuwahlen in Spanien an, die laut Meinungsumfragen der konservativen Opposition eine absolute Mehrheit bescheren dürften. Zugleich hat sich in dem Land mit der höchsten Arbeitslosenquote Europas seit dem Sommer mit den "Indignados" (Die Empörten) eine neue Jugendbewegung gebildet, die sich von allen etablierten Parteien abwendet.

ak/dapd/dpa-afx/rtr
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