Montag, 21. Oktober 2019

Banker-Aufruhr "Zur Hölle mit dem IWF"

Evitas Erben: "Zur Hölle mit dem IWF"
AP

4. Teil: Wirtschaftsförderung per Dekret

Auch Kirchner setzt auf Konsum als Wachstumsmotor. Doch statt Unternehmen zu verstaatlichen, versucht Kirchner sie zum Aufbau einer Produktion in Argentinien zu zwingen, etwa indem sie genauso viel exportieren wie importieren müssen. Und die Jugendorganisation Cámpora löst schleichend die Gewerkschaften als Machtbasis ab.

Ideologisch ist der Peronismus auch unter den Kirchners nicht sozialistisch und schon gar nicht antikapitalistisch. Perón schwebte ein dritter Weg zwischen beiden Richtungen vor, die Partei der Gerechtigkeit, wobei Gerechtigkeit vom gerechten Lohn bis zum gerechten Ausgleich durch den Schmuck um Evitas Hals ein weites Bedeutungsspektrum umschließt. Um Gerechtigkeit geht es auch den jungen Leuten im Cámpora-Lokal. Den Kapitalismus könne man gar nicht abschaffen, dazu sei Argentinien viel zu sehr in die globale Wirtschaft eingebunden, sagen sie, der Staat muss ihn nur regulieren. "Es gibt Menschen", sagt Anita, "die mehr Geld verdienen, als sie je ausgeben können. Dass jemand viel verdient, ist ja in Ordnung. Aber es muss Grenzen geben."

Das ist weder links, noch rechts, noch radikal - und auch deswegen Teil einer eine Volksbewegung. "Eigentlich", sagte Anita, "geht es um einen kulturellen Wandel": Wieder auf die Straße gehen zu können, um Menschen zu helfen, die dort leben; Einkaufsgemeinschaften für gesunde und billige Lebensmittel organisieren; ein Rockkonzert veranstalten, das keinen Gewinn abwerfen muss; "und wir können wieder mit Stolz die Nationalhymne singen".

Und zur Gerechtigkeit gehört für Anita auch, dass Argentinien seine Schulden zurückzahlt. "Klar", sagt sie, "nur nicht zu jedem Preis".

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