Euro-Krise Euro-Crash kostet eine Million Jobs

Scheiterte der Euro, gingen damit in Deutschland eine Millionen Jobs verloren. Das meint jedenfalls die Allianz. Allerdings hält der Versicherungskonzern ein Auseinanderbrechen der Währungsunion für wenig wahrscheinlich. Spanien und Italien hätten gute Chancen, der Krise noch zu entgehen.
Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, glaubt an die Währungsunion

Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, glaubt an die Währungsunion

Hamburg - Ein Auseinerbrechen der Europäischen Währungsunion würde Deutschland nach Berechnungen der Allianz teuer zu stehen kommen. Bliebe eine Kernwährungsunion mit Deutschland und wenigen anderen Ländern bestehen, würde das die heimische Wirtschaft drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts und mindestens eine Million Arbeitsplätze kosten, sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise am Mittwoch in Frankfurt.

Vor allem die zu erwartende Aufwertung des "Kern-Euro" dürfte für Deutschland mit einem erheblichen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit einhergehen. In der Folge seien Exporteinbußen von bis zu 15 Prozent binnen eines Jahres realistisch, betonte Heise. Auch für womöglich austretende Länder malt der Chefvolkswirt ein düsteres Bild: Sie hätten mit starken Abwertungstendenzen zu leben und vielfach wäre wohl ein Schuldenschnitt erforderlich.

Käme es zu einer europaweiten Bankenkrise und einer Krise in der Unternehmensfinanzierung, wäre auch eine globale Vertrauens- und Finanzmarktkrise nicht mehr weit.

Insgesamt hält Heise das Scheitern der Währungsunion aber für ein eher unwahrscheinliches Szenario. Realistischer sei, dass es in den nächsten Monaten gelingt, die europäische Schuldenkrise unter Kontrolle zu bringen."Die Chancen, dass sich Italien und Spanien dem Sog der Krise entziehen können, stehen gut - sofern eine konsequente Konsolidierungs- und Reformpolitik gefahren wird", sagte er.

Mit Blick auf Griechenland hält Heise einen schnellen Schuldenschnitt für das falsche Signal. Die Wachstumsaussichten in Griechenland würden dadurch keineswegs automatisch verbessert und die Bereitschaft, Griechenland frisches Geld zu leihen, würde nicht steigen. Das Land bliebe letztlich am Tropf des europäischen Rettungsfonds EFSF.

Für Deutschland sieht der Allianz-Experte derzeit nur eine geringe Rezessionsgefahr. Der Aufschwung lege allenfalls eine Verschnaufpause ein, sagte Heise. Nach einer Delle im Winterhalbjahr dürfte die deutsche Wirtschaft 2012 um 1,5 Prozent wachsen. Für 2011 erwartet Heise ein Plus von drei Prozent.

ms/reuters
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