Sonntag, 19. Januar 2020

Schuldenkrise Angst vor neuer Bankenpleite in Europa

Türme der Macht: Nicht nur im Bankenviertel von London sorgt man sich um den Zustand der europäischen Institute

Die Angst vor einer Bankenpleite wächst. Kreditausfallversicherungen für die Institute sind so teuer wie zur Lehman-Pleite. Die EU-Finanzminister schlagen Alarm und erwägen eine konzertierte Hilfsaktion für den Bankensektor.

London/Frankfurt am Main/Brüssel - Die EU-Finanzminister fassen angesichts der sich verschärfenden Schuldenkrise wieder koordinierte Hilfsaktionen für angeschlagene Banken ins Auge. "Die Überzeugung nimmt zu, dass wir in Europa einen konzertierten, koordinierten Ansatz brauchen", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn der "Financial Times". Die Minister sähen die Dringlichkeit zur Stärkung der Finanzinstitute angesichts der Schuldenkrise.

"Die Kapitalausstattung der europäischen Banken muss verbessert werden", sagte Rehn. Damit könne die anhaltende Unsicherheit reduziert werden. "Das sollte ein wesentlicher Teil der umfassenden EU-Strategie sein, um Vertrauen wieder herzustellen und die Krise zu überwinden."

Unter Berufung auf EU-Kreise schreibt das Blatt, dass die Finanzminister bei ihrer Tagung am Dienstag eingesehen hätten, dass sie bisher nicht genug getan hätten, um die Finanzmärkte davon zu überzeugen, dass die europäischen Banken der Schuldenkrise standhalten können.

Auch Schäuble warnt vor neuer Bankenkrise in Europa

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte am Dienstag vor einer Bankenkrise in Europa gewarnt. Die große Sorge sei, dass die "beunruhigenden Entwicklungen an den Finanzmärkten in einer Bankenkrise eskalieren" könnten. Die Minister hätten daher intensiv über die Lage im Bankensektor diskutiert. Es sei vereinbart worden, dass alle Finanzminister beim kommenden Treffen über die Verfassung ihrer Banken und ihre Schritte zur Abwendung einer Krise berichten sollen. Es gelte zu vermeiden, dass die Krise sich über den Bankensektor noch weiter ausweite.

Angesichts der Schuldenkrise war in den vergangenen Tagen die französisch-belgische Bank Dexia in Turbulenzen geraten. Die Regierungen in Paris und Brüssel mussten bereits neue Staatsgarantien für das stark in südeuropäischen Staatsanleihen investierte Institut ankündigen. Nun soll die Bank aufgespalten werden und die Risikopapiere des Hauses in eine "Bad Bank" ausgelagert werden. Dexia war schon 2008 mit Milliarden vom Staat gestützt worden. Auch bei den großen französischen Banken sehen viele Experten neuen Kapitalbedarf.

Auch die Deutsche Bank musste jetzt der Schuldenkrise und der Unsicherheit an den Kapitalmärkten Tribut zollen. Der deutsche Branchenprimus hatte am Dienstag seine Gewinnprognose für das laufende Jahr kassiert und zugleich Stellenstreichungen angekündigt.

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