Die Wirtschaftsglosse Tierische Gefühle

Überhaupt die FDP ... ja, die ist diesmal nicht Gegenstand (real)satirischer Betrachtung. Das Thema am Ende dieser Woche ist vielschichtiger und deshalb weniger geeignet für den Polit-Boulevard: Es geht, man ahnt es schon, um Sex. Und um den Euro natürlich auch.
Machen wir's doch wie der Tiefsee-Kalmar: Bundeskanzlerin Merkel und Mitstreiter bei der Euro-Rettungsschirmabstimmung am Donnerstag im Bundestag

Machen wir's doch wie der Tiefsee-Kalmar: Bundeskanzlerin Merkel und Mitstreiter bei der Euro-Rettungsschirmabstimmung am Donnerstag im Bundestag

Foto: dapd

Der Mensch kann sich ja aus der Tierwelt einiges abschauen und ist ihr seit je her eng verbunden, das vergisst man immer wieder. Wenn die Not am größten zu werden verspricht, dann kauft er Hamster. Die Fressgier der Heuschrecke hat ihn auf die Idee gebracht, ein ganzes Geldanlage-Genre nach diesem Ernährungsplan zu entwickeln. Und das Dasein von Hühnern in Legebatterien animierte japanische Hoteliers zu innovativen Übernachtungskonzepten.

Alles Petitessen allerdings im Vergleich zu den Erkenntnissen, zu denen uns die Beobachtung des Tintenfisches in seinen vielfältigen Ausprägungen verhilft. Bekanntlich hat die Krake Paul die vergangene Fußballweltmeisterschaft mit vielen exquisiten Ergebnistipps befruchtet. Und nun bewegt der Octopoteuthis deleton, auch als Tiefsee-Kalmar bekannt, den Weltenlauf. Der führt uns nämlich geradewegs aus der Euro-Schuldenkrise.

Der Kopffüßer lebt in den Tiefen der tiefsten Tiefsee. In einer unwirtlichen Gegend, in der sich schon Jules Verne schwer tat. Dort ist es kalt und vor allem - dunkel. Was dem Kalmar Probleme bereitet, sich fachgerecht und zielgerichtet fortzupflanzen. Um sich die Mühe zu ersparen, im Stockfinsteren nach der passenden Partnerin zu tasten, verteilt er seine Spermapakete großzügig an die gesamte Nachbarschaft - egal, ob Octo-Mann oder Octo-Frau. Er folgt dabei, so erklären sich das kalifornische Wissenschaftler, einem ökonomischen Prinzip: Die Kosten des Spermaverlusts sind, aus Sicht des offenbar höchst potenten Kalmars, geringer als der Aufwand, seine Gene an die richtige Adressatin zu bringen.

Was das für die EU-Schuldenkrise bedeutet, liegt auf der Hand. Troika-Inspektoren, IWF-Sanktionen, Weltbank-Rügen und derlei Gedöns kann man sich getrost schenken. Die Sperma...äh... Hilfspakete werden einfach unters EU-Volk gestreut, ob Südspanier, Mittelslowake oder Nordfinne, spielt keine Rolle. Alle werden bedient, der Richtige ist dann ja auf jeden Fall darunter. Die quälende Debatte um den deutschen Beitrag und die Beteiligung des Bundestages - wenn ja, wie oft und wie viel - wäre uns erspart geblieben. Die Devise kann deshalb nur lauten: volles Rohr die Euros im lichtscheuen Bereich ablegen!

China verfolgt dieses Strategie ja schon, leicht abgewandelt, etwas länger. Jede politische Spezies, ob Demokraten oder Despoten, wird mit Milliardenschweren Investitionen beglückt. Auch beim Kopieren agieren die Chinesen nach diesem Prinzip. Nachgemacht wird, was ihnen vor die Handykameras kommt. Neulich hat der Hamburger Zoll einen chinesischen Plagiator auffliegen lassen, der doch glatt Produkte made in China raubkopiert hatte.

Das ist in etwa so, als schenkten wir der These Angela Merkels Glauben, die EU-Rettungsgelder würden auf verschlungenen Pfaden irgendwann uns selbst zugute kommen. Sicher, denken kann man so etwas schon mal. Entsprechende Verbote gibt's in dieser Hinsicht nicht. Womit wir dann doch wieder beim Thema FDP angelangt wären.

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