Machtausweitung Barroso wirft EU-Regierungschefs Schlamperei vor

Die Europäische Union steckt in der Krise, prompt reklamiert Kommissionspräsident José Manuel Barroso die wirtschaftliche Führung der Union für seine Behörden. Manche EU-Mitgliedsstaaten seien zuletzt ja auch "eher schlampig" mit ihrer Verantwortung für Europa umgegangen.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso: Europa-Behörden stärken

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso: Europa-Behörden stärken

Foto: Christophe Karaba/ dpa

Brüssel - José Manuel Barroso hat mehr Macht für Brüssel gefordert. Nur so könne Europa nach vorne gebracht werden. Manche Mitgliedsstaaten der Europäischen Union seien dagegen zuletzt "eher schlampig" mit ihrer Verantwortung für Europa umgegangen. Barrosos Schlussfolgerung: "Die Regeln für eine stabile Euro-Zone alleine den Mitgliedsstaaten zu überlassen - das wird niemals funktionieren", sagte Barroso der "Süddeutschen Zeitung".

Es gebe einen Grund dafür, dass es unabhängige europäische Institutionen wie die Kommission, den Gerichtshof, den Rechnungshof gebe. Europa sei "nur überzeugend, wenn wir starke Institutionen haben", sagte Barroso. Europa könne nur mit den Institutionen funktionieren, nicht gegen sie. "Ansonsten setzen wir nicht nur den Euro aufs Spiel, sondern die gesamte Union", warnte Barroso. Er verwies gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" auf seine Erfahrungen aus sieben Jahren Amtszeit als Präsident der EU-Kommission.

Barroso warnte zudem vor Alleingängen der 17 Euro-Länder. Die Nicht-Euro-Länder seien über den gemeinsamen Markt an die Euro-Länder gebunden. "Wir müssen verhindern, dass sich zwischen beiden Gruppen ein Graben auftut, weil sonst der Euro eine wichtige Grundlage verliert."

Er kündigte an, in den nächsten Wochen Vorschläge für eine engere wirtschaftspolitische Koordination aller 27 Länder vorzulegen. Zugleich wolle er "Optionen" für eine effizientere Nutzung der Mittel des Euro-Rettungsfonds EFSF erarbeiten.

kst/dpa/rtr
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