Dienstag, 17. September 2019

US-Arbeitsmarkt Notenbankchef spricht von "nationaler Krise"

Notenbankchef Bernanke: Lob für Schwellenländer

Ben Bernanke redet Klartext: Der Chef der US-Notenbank hält die Lage auf dem heimischen Arbeitsmarkt für so prekär wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Zu viele Menschen sind zu lange ohne Job - nun müsse der amerikanische Kongress endlich handeln.

Washington - Die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt hat das Ausmaß einer "nationalen Krise" erreicht - so klar und deutlich hat es Notenbankchef Ben Bernanke jetzt gesagt: Etwa 45 Prozent der Arbeitslosen in den USA seien seit mindestens sechs Monaten ohne Beschäftigung, sagte Bernanke am Mittwochabend (Ortszeit) nach einer Rede in Cleveland. So prekär sei die Lage seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gewesen.

Die Aussage Bernankes hat gewaltige Wucht: Der Chef der Federal Reserve (Fed) ist eher ein Mann der leisen Töne - wenn er sich so deutlich äußert, scheint es ihm ernster denn je mit der US-Wirtschaft zu sein. Erst vergangene Woche hatte der oberste Währungshüter vor "erheblichen Abwärtsrisiken im Konjunkturausblick, einschließlich der Anspannungen an den weltweiten Finanzmärkten" gewarnt - und erneut Maßnahmen ergriffen, um die lahmende US-Wirtschaft anzukurbeln. Die Fed nimmt bis Mitte kommenden Jahres 400 Milliarden Dollar in die Hand, um lang laufende Anleihen zu erwerben. Die "Operation Twist" soll die langfristigen Zinsen senken.

Der Notenbankchef schloss im Falle einer sinkenden Inflation weitere unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen nicht aus. "Wenn die Teuerung oder die Teuerungserwartungen auf einen zu niedrigen Stand sinken, wäre das etwas, auf das wir reagieren müssten, weil wir keine Deflation wollen", sagte Bernanke. Die Fed beobachte die Situation sehr genau.

Eindringlicher Rat für Industrieländer

Doch jetzt sieht Bernanke die Politik in der Pflicht: Er forderte die Kongressabgeordneten dazu auf, mehr im Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit tun. Daneben seien die fehlende Haushaltsdisziplin und der Immobilienmarkt die dringlichsten Probleme des Landes.

Die Aussagen Bernankes dürften US-Präsident Barack Obama nicht gefallen. Obama hatte zuletzt den Europäern vornehmlich die Schuld für die derzeitige Krise gegeben die jedoch wollen nichts davon wissen.

Doch Bernanke hat auch einen Rat für alle Industrieländer parat: Sie sollten sich die Schwellenländer mal genauer anschauen. Da gebe es bezüglich der Haushaltsdisziplin viel zu lernen.

yes/ap/rtr

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