Dienstag, 23. Juli 2019

Griechenland "Am Euro-Austritt führt kein Weg vorbei"

"Yes we can": In Anlehnung an US-Präsident Barack Obama beteuert Griechenlands Premier Papandreou, dass der überschuldete Staat seine Schulden zurückzuzahlen könne

Während Griechenlands Premier Papandreou um Vertrauen wirbt, fordern die Wirtschaftsweisen einen Schuldenschnitt um 50 Prozent. Der deutsche Steuerzahler müsste dann zusätzlich einen zweistelligen Milliardenbetrag schultern. Das Ifo-Institut legt nach: Die Hellenen sollten die Euro-Zone verlassen.

Hamburg - Schon oft hat Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou die Märkte und Skeptiker zu überzeugen versucht, dass die Helenen ihre Probleme bewältigen und ihre Schulden zurückzahlen werden. "Yes we can", erneuerte er am Dienstag pathetisch sein Versprechen mit dem berühmten Spruch von US-Präsident Barack Obama. "Ich kann garantieren: Griechenland wird alle Verpflichtungen erfüllen."

Die Märkte schenken diesen Worten nicht mehr viel Glauben. Sie halten eine Staatspleite für immer wahrscheinlicher. Griechische Staatsbonds unter zehn Jahren Laufzeit notierten am Dienstag im Schnitt mit einem Abschlag von 60 Prozent.

Insofern zeugt der Aufruf führender deutscher und französischer Ökonomen vom Dienstag, die Gläubiger Griechenlands sollten auf gut die Hälfte ihrer Forderungen verzichten, von viel Realitätssinn.

Für Griechenland sei es dann möglich, seine Staatsverschuldung durch eigene Anstrengungen auf ein nachhaltiges Niveau abzusenken. Dies hätte zwar schmerzliche Folgen für andere Schuldenstaaten in der Eurozone, nur so aber ließe sich die Währungsgemeinschaft langfristig stabilisieren und eine realistische Perspektive für die griechische Wirtschaft schaffen, heißt es in dem gemeinsamen Aufruft der fünf Wirtschaftsweisen sowie Berater der französischen Regierung, des Weltwährungsfonds und der EZB in der "FTD".

Damit sich der Umschuldungsprozess stabil gestalte, solle der EU-Rettungsschirm EFSF eigene Anleihen ausgeben, schlagen die Ökonomen vor. Griechische Staatsanleihen im Wert von 100 Euro sollten dann gegen EFSF-Anleihen zu 50 Euro getauscht werden können. Zudem müsse der EFSF ermächtigt werden, Banken mit starkem Griechenland-Engagement zu stützen.

Doch was bedeutet es eigentlich, wenn die Gläubiger Griechenlands - konkret Deutschland - auf etwa die Hälfte ihrer Forderungen verzichteten?

Haftungsrisiko für Deutschland steigt auf 468 Milliarden Euro

Insider schätzen, dass die Europäische Zentralbank mittlerweile griechische Staatspapiere mit einem Volumen von 80 Milliarden Euro aufgekauft hat. Den deutschen Anteil daran beziffert Ifo-Sprecher Jürgen Gaulke gegenüber manager magazin Online auf gut 27 Prozent oder umgerechnet 21,6 Milliarden Euro. Folgte Deutschland dem Vorschlag der Ökonomen, verzichtete es also auf rund elf Milliarden Euro. "Das müsste dann letztlich eins zu eins der Steuerzahler tragen", sagt Gaulke.

Deutsche Banken wiederum hatten zuletzt noch griechische Staatspapiere mit einem Volumen von gut 15 Milliarden Euro in den Büchern stehen, gut sieben Milliarden davon allein die verstaatlichte Hypo Real Estate. Im Zuge eines Schuldenschnitts müsste der Steuerzahler auch für deren Verluste geradestehen.

Jenseits privater Forderungen gegenüber Unternehmen beliefen sich die Verluste also auf einen niedrigen zweistelligen Milliardenbetrag. "Das ist noch überschaubar angesichts des Haftungsrisikos, das auf den deutschen Steuerzahler mit den Beschlüssen zum europäischen Rettungsschirm zukommt, die diesen Monat ratifiziert werden sollen", sagt Gaulke.

Nach Ifo-Berechnungen müsste Deutschland bei einem Zahlungsausfall in Griechenland, Irland, Portugal und Spanien alleine für rund 468 Milliarden Euro haften. Im April hatte die Haftungssumme noch bei 400 Milliarden Euro gelegen.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung