Staatsbesuch Papst wünscht sich mehr Religiosität in Deutschland

Papst Benedikt XVI. ist zu seinem ersten offiziellen Staatsbesuch in Deutschland eingetroffen. In seiner ersten Ansprache beklagt das Oberhaupt der katholischen Kirche die zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber der Religion. Die Proteste gegen seinen Besuch sieht der Papst gelassen.
Papst Benedikt XVI.: "Ich komme freudig nach Deutschland"

Papst Benedikt XVI.: "Ich komme freudig nach Deutschland"

Foto: DPA

Berlin - Bundespräsident Christian Wulff und seine Ehefrau Bettina sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) haben Papst Benedikt XVI. auf dem Fughafen Brelin-Tegel begrüßt. Das Wachbataillon der Bundeswehr ehrte den deutschen Papst mit 21 Salutschüssen.

Benedikt XVI. sieht die Proteste und die Opposition gegen seinen Deutschland-Besuch gelassen. "Das ist normal in einer freien Gesellschaft", sagte er schon auf dem Flug nach Berlin. Dagegen sei nichts zu sagen, wenn man es denn auf zivile Weise tue. "Ich komme freudig nach Deutschland", sagte der Papst. "Ich bin in Deutschland geboren, die Wurzel kann und soll nicht abgeschnitten werden."

In seiner ersten Ansprache hat der Papst eine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber der Religion beklagt. Notwendig sei aber die Religion als Grundlage für ein gelingendes Miteinander in der Gesellschaft. Benedikt zitierte den Sozialreformer Wilhelm von Ketteler mit den Worten: "Wie die Religion der Freiheit bedarf, so bedarf auch die Freiheit der Religion."

Messe im Berliner Olympiastadion

Freiheit brauche die Rückbindung an eine höhere Instanz. Im menschlichen Miteinander gebe es Freiheit nicht ohne Solidarität. Das gelte nicht nur für den Privatbereich, sondern auch für die Gesellschaft.

Mit Blick auf die deutsche Geschichte sagte der Papst, der klare Blick auch auf ihre dunklen Seiten ermögliche es, aus der Vergangenheit zu lernen und Anstöße für die Gegenwart zu erhalten. Die Bundesrepublik Deutschland sei durch die Verantwortung vor Gott und voreinander gestaltete Kraft der Freiheit zu dem geworden, was sie heute ist. "Sie braucht diese Dynamik, die alle Bereiche des Humanen einbezieht" Sie brauche dies in einer Welt, die einer tiefgreifenden kulturellen Erneuerung und der Wiederentdeckung von Grundwerten bedarf, auf denen eine bessere Zukunft aufzubauen ist.

Am Nachmittag wird Benedikt als erster Papst eine Rede im Bundestag halten. Etwa 100 der 620 Parlamentarier kündigten an, der Rede fernzubleiben. Bei Spitzenpolitikern von SPD und CDU stieß dies auf Unverständnis. Papstgegner wollen während der Rede in Berlin demonstrieren.

Am Abend wird Benedikt dann eine Messe im Olympiastadion halten. Weitere Stationen der viertägigen Reise sind Erfurt, das Eichsfeld (Thüringen) und Freiburg.

mg/dpa
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