Sonntag, 15. Dezember 2019

Ergebnisloses Krisentreffen Euro-Retter auf Betriebsausflug

Abgewatscht: US-Finanzminister Geithner in Breslau

Die größte Gefahr für den Euro ist keine wirtschaftliche, sondern eine politische. Selten war eine Krisenlösung drängender. Einen Kompromiss suchten die Euro-Finanzminister auf ihrem September-Treffen trotzdem nicht. Stattdessen reagierten sie ihren Frust am US-Kollegen Tim Geithner ab.

Hamburg - Jutta Urpilainen brauchte gar nicht erst mit ihren Kollegen zu reden, um einen Kompromiss zu finden. "Das sehe ich leider nicht", sagte die finnische Finanzministerin am Freitag schon bei ihrer Ankunft im polnischen Breslau, wo sich die Ressortchefs der 17 Euro-Länder trafen. Die monatliche Sitzung ist das wohl wichtigste Treffen für Entscheidungen zur Zukunft der Währungsunion. Und noch nie war der Druck, eine Lösung für die Krise zu finden, so groß wie in diesem September. Aus Sorge um den Euro kam sogar US-Finanzminister Tim Geithner erstmals zu Gast.

Doch passiert ist nichts. Geithner forderte die Europäer nach Schilderung der österreichischen Finanzministerin Maria Fekter "sehr dramatisch" auf, "dass wir Geld in die Hand nehmen sollen, um das System nicht in Schwierigkeiten zu bringen". Auch das ansonsten Euro-kritische Londoner Wirtschaftsmagazin "The Economist" fordert in seiner neuen Ausgabe einen "great firewall of Europe": unbegrenzte Hilfe für die Finanzen aller Euro-Staaten außer Griechenlands. Der bisher eingeschlagene Sparkurs führe nur weiter in die Misere, der Euro habe "den Punkt erreicht, an dem niemand bekommt, was er will".

Mit diesem Ansinnen biss Geithner laut Fekters Aussage in Breslau aber auf Granit. Sie finde es "eigenartig", sagte die Wienerin, dass die Amerikaner den Europäern erklären wollten, was sie zu tun hätten, obwohl die Fundamentaldaten der USA schlechter seien.

Euro-Gruppen-Chef Juncker: "Ein Dialog unter Freunden"

Da ist was dran. Nur: Die Euro-Zone steht eben nicht zusammen wie die USA. Länder wie Italien oder Spanien sind deshalb weitgehend auf sich allein gestellt und werden am Finanzmarkt auf ihre Widerstandskraft getestet - ein Problem, das Kalifornien, Florida oder Illinois nicht haben. In der Euro-Gruppe versucht weiter jeder zu bekommen, was er will.

So besteht die Finnin Urpilainen auf dem Pfand, das sie mit Griechenland als Gegenleistung für jede weitere Hilfe ausgehandelt hat. Die Österreicherin Fekter fordert Gleichbehandlung. Und der Luxemburger Jean-Claude Juncker als Chef der Euro-Gruppe verlangt, dass jeder Pfandnehmer seine Hilfszusage um einen entsprechenden Betrag erhöhen müsse. Ein Kompromiss ist da kaum möglich - und so lange bleibt das längst zugesagte zweite Hilfspaket für Griechenland blockiert.

"Das war heute kein Treffen für Entscheidungen, sondern ein Dialog unter Freunden", kommentierte Juncker. Haben die Finanzminister, von denen mindestens die Rettung der westlichen Welt erwartet wurde, also nur einen netten Betriebsausflug nach Breslau unternommen? Der Euro-Kurs Börsen-Chart zeigen sank nach dem Treffen erneut.

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