Ungewöhnliches Timing Staatsbank KfW wirbt für den Euro

Auf dem Höhepunkt der Euro-Debatte bezieht die staatseigene KfW-Bankengruppe Stellung. Der Euro habe Deutschland in den vergangenen zwei Jahren bis zu 60 Milliarden Euro Gewinn gebracht. Damit stemmen sich die Staatsbanker gegen genau gegenteilige Forschermeinungen, die längere Zeiträume als die vergangenen zwei Jahre untersucht haben.
KfW-Sitz in Frankfurt: "Die Euro-Rettung lohnt sich"

KfW-Sitz in Frankfurt: "Die Euro-Rettung lohnt sich"

Foto: Boris Roessler/ dpa

Frankfurt am Main - Im Bundestag versucht Kanzlerin Angela Merkel (CDU) heute die Abgeordneten davon zu überzeugen, dass die Bundesrepublik die Stützahlungen an die Euro-Partner leisten soll. Gleichzeitig sinkt nach Umfragen die Europa-Begeisterung der Deutschen auf historische Tiefstände. Genau in dieser heiklen Lage meldet sich nun ausgerechnet die staatseigene KFW-Bankengruppe zu Wort - und unterstützt mit einer Studie die Merkel-Position.

In den vergangenen zwei Jahren habe die Mitgliedschaft in der Währungsunion der deutschen Volkswirtschaft 50 Milliarden bis 60 Milliarden Euro beschert, sagte der Chefvolkswirt der Bank, Norbert Irsch, der "Frankfurter Rundschau". "Um diesen Betrag wäre die wirtschaftliche Leistung weniger gestiegen, wenn wir die D-Mark gehabt hätten."

Irsch berief sich auf eine KfW-Studie, welche die wirtschaftliche Entwicklung mit und ohne den Euro durchgerechnet habe. Das Ergebnis zeige, dass die Währungsunion nicht schade, sondern Deutschland nutze. So profitiere die Exportwirtschaft davon, dass der Euro weniger aufwerte als die D-Mark. Zudem wären die Zinsen in den vergangenen beiden Jahren höher gewesen, wären sie von der Bundesbank allein mit Blick auf die deutsche Situation festgelegt worden.

Selbst unter Berücksichtigung der möglichen Kosten für die Rettungsmaßnahmen für überschuldete Euro-Mitgliedsstaaten sei die Währungsunion von Vorteil, sagte der KFW-Chefvolkswirt der Zeitung. "Die Euro-Rettung lohnt sich, nicht nur für Deutschland, sondern für jedes einzelne Mitgliedsland der Euro-Zone".

Damit stellen sich die KFW-Banker klar gegen die Meinung vieler Ökonomen, die mit eigenen Modellrechnungen zu ganz anderen Ergebnissen gekommen sind - allerdings nicht in einer Zweijahresbetrachtung, sondern mit Blick auf den gesamten Zeitraum von der Euro-Einführung bis heute.

Danach habe weder der deutsche Außenhandel mit den Euro-Staaten seit der Euro-Einführung überproportional zugenommen, noch habe die Bundesrepublik dauerhaft von günstigen Zinsen profitiert. Im Gegenteil: Der deutsche Außenhandel mit Nicht-Euro-Staaten wie China und Indien entwickelte sich seit der Euro-Einführung bis heute weit dynamischer als der mit den Euro-Staaten. Und die Zinsen seien für die Jahre lange deutsche Stagnationswirtschaft schlicht zu hoch gewesen, weil sich deren Höhe eben auch an der seiner Zeit dynamischen Entwicklung beispielsweise in Spanien orientiert habe.

kst/dapd

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