Euro-Schuldenkrise Bankchefs erhöhen Druck auf Italien

Europäische Bankenchefs fordern Italiens Regierung auf, stärker das eigene Schuldenproblem anzugehen. Es sei nicht Aufgabe der EZB, Schuldenstaaten mit Anleihenkäufen zu stützen, erklärte Unicredit-Chef Ghizzoni. Italien habe ein Problem mit der politischen Führung, ergänzt Commerzbank-Chef Blessing.
Regierungssitz Palazzo Chigi (r.) in Rom: Italiens Ministerpräsident Berlusconi unter Druck

Regierungssitz Palazzo Chigi (r.) in Rom: Italiens Ministerpräsident Berlusconi unter Druck

Foto: ALBERTO PIZZOLI/ AFP

Frankfurt am Main - Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank , Martin Blessing, sagte am Dienstag bei einer Veranstaltung in Frankfurt am Main, Italien müsse sich selbst helfen, "sonst gibt es keine Lösung". Da geschehe aber zu wenig, kritisierte Blessing und gab zu bedenken, dass anders als Griechenland Italien "zu groß für einen Rettungsschirm" sei.

Zugleich äußerte Blessing Zweifel, ob es Griechenland jemals gelingt, seine Verschuldung auf das angestrebte Niveau von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu bringen. "Die Frage ist, ob Griechenland die Konsolidierung in einem für uns noch erlebbaren Zeitraum schafft". Die Regeln des Eurosystems erlauben einen Schuldenberg in maximaler Höhe von 60 Prozent des BIP. Griechenland ist aber mit mehr als 140 Prozent verschuldet - mit stark steigender Tendenz.

Der Chef der italienischen Großbank Unicredit , Federico Ghizzoni, erklärte, Italiens Wirtschaft dränge die Regierung zu schnellerem Handeln. Er befürwortete eine strengere Gangart gegen nachlässige EU-Staaten. "Um Europa weiter voranzutreiben, brauchen wir eine europäische Regierung", sagte Ghizzoni. Sie müsse das Recht haben zu intervenieren, wenn ein Land sich nicht an Vereinbarungen halte.

Unicredit-Chef Ghizzoni: "In Italien gibt es noch viel Fett"

Ghizzoni versicherte zugleich, er glaube nicht an eine drohende Zahlungsunfähigkeit seines Landes. "Italien muss und kann seine Probleme selbst lösen." Das Ziel, bis 2013 die Neuverschuldung auf Null zu senken, reiche aber nicht. Nach Worten Ghizzonis könne das an den Finanzmärkten angezählte Land noch viel mehr machen, um das Haushaltsdefizit zu senken. "In Italien gibt es noch viel Fett, das man abschneiden kann."

Gerade im Bereich Privatisierung könne noch mehr passieren, so Ghizzoni. Es sei nicht die Aufgabe der Europäischen Zentralbank (EZB), die Regierungen der Schuldenstaaten langfristig mit Staatsanleihenkäufen zu unterstützen.

Eigentliche Herausforderung sei es, Wachstum aufrechtzuerhalten. Nötig seien Investitionen - auch in Forschung. Das sei in den vergangenen fünf bis zehn Jahren vernachlässigt worden und sei der eigentliche Grund für die momentanen Probleme, erklärte der UniCredit-Vorstandsvorsitzende. Der italienische Bankensektor sei recht stark, ergänzte Ghizzoni. Künftig werde es für die Geldhäuser aber mehr denn je darauf ankommen, sich auf ihr Kerngeschäft - "ihre DNA" - zu fokussieren.

Anleihemarkt: Berlusconi wird für Italien immer teurer

rei/dpa/rtr
Mehr lesen über Verwandte Artikel