Zwangskapitalisierung Bundesbank geißelt IWF-Forderung

Ungewohnt deutlich hat die Bundesbank den Vorstoß des IWF für eine Zwangskapitalisierung europäischer Kreditinstitute angeprangert. Forderungen wie diese schadeten nur, sagt Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret.
Bankenplatz Frankfurt: Wie gefährdet sind europäische Institute wirklich?

Bankenplatz Frankfurt: Wie gefährdet sind europäische Institute wirklich?

Foto: Frank May/ dpa

Frankfurt am Main - Angesichts der aktuellen Risiken und der Fülle und Komplexität der Regulierungsvorhaben stünden Kreditinstitute in den nächsten Jahren ohnehin vor großen Herausforderungen, kritisierte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret die kürzlich von IWF-Chefin Lagarde erhobene Forderung.

"Die seit einigen Tagen kursierenden IWF-Schätzungen zu einem möglicherweise sehr hohen weiteren Abschreibungsbedarf europäischer Banken empfinde ich insofern als äußerst unglücklich", sagte Dombret am Montag bei der "Handelsblatt"- Tagung "Banken im Umbruch". Solche Simulationen, auch wenn sie erst im Entwurfsstadium seien, schadeten mehr, als sie nützen, sagte Dombret weiter.

IWF-Chefin Christine Lagarde hatte gefordert, die europäischen Staaten sollten ihre Banken mit frischem Kapital unterstützen. Notfalls müssten öffentliche Geldmittel eingesetzt werden. Nach IWF-Schätzungen könnten den Kreditinstituten wegen der Euroschuldenkrise bis zu 200 Milliarden Euro an Kapital fehlen, hatte es in Medienberichten geheißen.

Ackermann: Dann würden die Schulden der Länder weiter steigen

Auf der Tagung hatte auch Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann den Vorstoß kritisiert. Die Vorschläge seien wenig hilfreich - "und im Übrigen in der Sache nicht gerechtfertigt", sagte der Manager. Es sei eine Binsenweisheit, "dass es zahlreiche europäische Banken nicht verkraften würden, müssten sie im Bankbuch gehaltenen Staatsanleihen auf Marktwerte abschreiben", sagte er. Aus diesem Grund seien Hilfspakte für Euro-Schuldenstaaten vereinbart worden. Es würde die Glaubwürdigkeit dieser Maßnahmen unterminieren, "würde die Politik nun durch eine Zwangskapitalisierung selbst das Signal senden, dass sie an den Erfolg der Maßnahmen nicht glaubt". Zudem würden die Schulden der betroffenen Länder weiter steigen.

Dombret sprach sich dafür aus, die Überwachung des deutschen Finanzsystems bei der Bundesbank auszubauen. Es entspreche der Entwicklung in anderen Ländern, in denen die Notenbank die zentrale Aufsichtsrolle spiele, wie etwa in Großbritannien und der EU insgesamt. Bisher teilen sich in Deutschland die Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin die Bankenkontrolle.

rei/dpa-afx
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