Online-Pranger Athen will Steuerbetrüger brandmarken

Das griechische Finanzministerium will die Namen hunderter Steuersünder veröffentlichen, die dem Staat mehr als 150.000 Euro schulden. Das soll helfen, die mageren Staatseinnahmen zu steigern und den Schuldenberg abzutragen.
Insel der Reeder: Inousses in der Ägäis ist ein Hort der reichen Griechen

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Foto: SPIEGEL ONLINE

Athen - "Das werden wir in den nächsten Tagen machen", kündigte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos vor dem Parlament am Montagabend an. Seine Erklärung wurde am Dienstag vom staatlichen Fernsehen ausgestrahlt. Vor allem die Namen größerer Unternehmen sollen zunächst bekanntgegeben werden, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums der Nachrichtenagentur DPA.

Aber auch einzelne Bürger werde das betreffen. Dazu werde grünes Licht von der Datenschutzbehörde erwartet, um dann die Namen publik zu machen, erklärte der Sprecher. In den vergangenen Wochen hatten die Steuerfahnder bereits einzelne prominente Fälle öffentlich gemacht. Der Staat will zudem private Detektive engagieren, um nicht auf Ergebnisse der trägen Finanzbürokratie warten zu müssen. Laut Premierminister Georgios Papandreou schulden 14.000 Griechen dem Staat insgesamt 36 Milliarden Euro.

Um die dramatische Staatsverschuldung abzubauen, will die griechische Regierung verstärkt den Steuersündern an den Kragen gehen. Experten rechneten wiederholt vor, dass die griechischen Schulden binnen zehn Jahren abgetragen werden könnten, wenn es gelinge, die Steuerhinterziehung größtenteils einzudämmen.

Laut Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat nahm der griechische Staat im vergangenen Jahr nur 39,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ein - im Vergleich zu 44,5 Prozent im Durchschnitt der Euro-Zone und mehr als 50 Prozent in skandinavischen Ländern. Die Ausgaben des Staats beliefen sich aber mit 49,5 Prozent der Wirtschaftsleistung auf europäischem Normalniveau. Daraus ergab sich ein Haushaltsdefizit von 10,5 Prozent, der zweithöchste Wert in der EU.

Laut früheren Angaben nannten nur 15.000 Griechen in ihren Steuererklärungen Einkommen von mehr als 100.000 Euro im Jahr - ein krasses Missverhältnis zum offensichtlichen privaten Reichtum. Allerdings dürfte es dem Staat schwerfallen, der Reichen habhaft zu werden. Die meisten griechischen Milliardäre haben längst ihren Wohnsitz im Ausland gewählt. In den vergangenen Jahren setzte zudem massive Kapitalflucht ein, auch aus Angst um die Stabilität der griechischen Banken.

ak/dpa
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