Vergewaltigungsvorwurf Staatsanwälte lassen DSK-Anklage fallen

Dominique Strauss-Kahn ist endgültig ein freier Mann. Die New Yorker Staatsanwaltschaft will die Vergewaltigungsanklage gegen den Ex-Chef des Weltwährungsfonds zurückziehen. Mehrere Lügen hatten die Glaubwürdigkeit der Belastungszeugin zerstört.
Strauss-Kahn in New York: Das Verfahren gegen den früheren IWF-Chef wird eingestellt.

Strauss-Kahn in New York: Das Verfahren gegen den früheren IWF-Chef wird eingestellt.

Foto: LUCAS JACKSON/ REUTERS

New York - Es ist das Ende eines bereits seit drei Monaten währenden Verfahrens. Am Montag hat die Staatsanwaltschaft von Manhattan den Richter aufgefordert, die Anklage gegen den ehemaligen Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, in einigen oder allen Punkten fallen zu lassen. Bereits zuvor war in US-Zeitungen über diesen Schritt spekuliert worden.

Oberstaatsanwalt Cyrus Vance sprach am Montag mit dem Zimmermädchen, das den Vergewaltigungsvorwurf erhoben hatte. Nafissatou Diallo, 33, beschuldigt Strauss-Kahn, sie am 14. Mai in einer Hotelsuite am Times Square überfallen und gewaltsam zum Oralsex gezwungen zu haben.

Strauss-Kahn hatte sich in allen Punkten für unschuldig erklärt. Nach seiner Aussage war es in beiderseitigem Einverständnis zu dem sexuellen Verkehr gekommen. Bei einer Verurteilung hätten ihm 25 Jahre Gefängnis gedroht, unter anderem wegen versuchter Vergewaltigung.

Doch in den vergangenen Monaten wurde die Glaubwürdigkeit Diallos erschüttert. Als sie von der Staatsanwaltschaft vernommen wurde, verstrickte sie sich in Widersprüche und nachweisbare Lügen. "Jedes Mal, wenn sie mit ihren Lügen konfrontiert wurde, hat sie jemand anderen dafür verantwortlich gemacht", erklärte eine mit dem Fall vertraute Quelle gegenüber der "New York Times" am Montag.

Frankreichs Sozialisten spekulieren über Rückkehr von DSK

New Yorker Rechtsexperten gingen bereits in den vergangenen Tagen davon aus, dass die Anklage zurückgezogen würde. Angesichts der Zweifel an der Glaubwürdigkeit seiner Zeugin hätte der Oberstaatsanwalt wenige Chancen, eine Jury zu überzeugen, so die Fachleute.

Nach seiner Festnahme im Mai in New York war Strauss-Kahn als Chef des IWF zurückgetreten. Er saß zunächst im Gefängnis und wurde dann gegen Kaution und Bankbürgschaften in Millionenhöhe unter strikten Auflagen in Hausarrest entlassen. Als sich das Zimmermädchen in Widersprüche verwickelte, wurde der Hausarrest aufgehoben.

Strauss-Kahn kann vermutlich noch in dieser Woche die USA verlassen. Ob er nach einem Ende des Verfahrens und dem Erhalt seiner im Mai eingezogenen Pässe umgehend nach Paris zurückfliegen oder sich zunächst mit seiner Frau auf das gemeinsame Anwesen in Washington zurückziehen würde, ist nicht bekannt.

Vor seiner Festnahme galt Strauss-Kahn als aussichtsreicher Kandidat der französischen Sozialisten für die Präsidentschaftswahl 2012. Nun könnte die Debatte über "DSK" neu entbrennen. Es sei seine Entscheidung, ob er in einer parteiinternen Abstimmung wieder antreten wolle, sagte Francois Hollande, Strauss-Kahns Nachfolger als Spitzenkandidat der Partei, am Montag. Auf die Frage, ob Strauss-Kahn bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr antreten werde, antwortete Hollande: "Das kommt auf ihn an."

Manche Anhänger meinen, Strauss-Kahn könnte von einer Art Märtyrerstatus profitieren. Sie sehen ihn als Opfer einer brutalen US-Justiz, die vor Vorverurteilungen nicht zurückschreckt. "Seine Stimme wird Gewicht haben, er bleibt der erhoffte, aber verhinderte Kandidat", sagte einer seiner Vertrauten der Zeitung "Le Parisien". In seiner Heimat erwartet Strauss-Kahn allerdings ein weiteres Verfahren wegen eines angeblichen sexuellen Übergriffs.

kgp/bos/dpa/rtr/afp
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