Rebellen in Tripolis Libyen feiert, Kämpfe gehen weiter

Libyen feiert das Ende des Gaddafi-Regimes. Doch in verschiedenen Städten liefern sich Rebellen und Gaddafi-Getreue offenbar noch heftige Kämpfe. Parallel bereitet sich der nationale Übergangsrat auf die Machtübernahme vor.
Siegesfeier der Rebellen in Bengasi: "Die Stunde Null hat begonnen"

Siegesfeier der Rebellen in Bengasi: "Die Stunde Null hat begonnen"

Foto: © Esam Al-Fetori / Reuters/ REUTERS

Tripolis - Nach ihrer Offensive auf die libysche Hauptstadt Tripolis haben sich die Rebellen am Montag weiter heftige Kämpfe mit Regierungstruppen geliefert. In der Nähe der Residenz von Machthaber Muammar el Gaddafi gab es heftige Gefechte, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP am Montagmorgen berichtete. Gaddafi selbst soll sich nach Diplomatenangaben weiterhin in seiner Residenz Bab el Asisija aufhalten.

Auch im Süden der Hauptstadt wurde nach wenigen Stunden nächtlicher Waffenruhe wieder gekämpft. Seit dem frühen Morgen waren Explosionen und das Feuer schwerer Waffen zu hören. Auch in der Nähe des Hotels, in dem die meisten ausländischen Journalisten untergebracht sind, gab es Gefechte. Augenzeugen berichteten zudem von Kämpfen in mehreren Teilen des Stadtzentrums.

Der TV-Sender El Dschasira strahlte ein kurzes Telefoninterview mit dem Gaddafi-Sohn Mohamed aus, der sich nach eigenen Angaben in sein Haus zurückzog. Während des Gesprächs war heftiger Gefechtslärm im Hintergrund zu hören, anschließend sprach Mohamed mit panischer Stimme. In dem Gespräch versicherte er, nicht Teil des Systems zu sein und räumte Fehler der Regierung ein.

Rebellen kontrollieren weite Teile der Hauptstadt

Ein halbes Jahr nach Beginn des Aufstands waren die Rebellen am Sonntagabend in Tripolis eingerückt. Am Montag kontrollierten sie weite Teile der Hauptstadt, darunter den zentralen Grünen Platz. Nach Angaben des italienischen Außenministers Franco Frattini kontrollieren Gaddafis Truppen inzwischen nur noch "nicht mehr als zehn bis 15 Prozent" des Stadtgebiets. Der Vormarsch der Rebellen habe sich in den vergangenen Stunden verfestigt, sagte Frattini am Vormittag im Fernsehsender Sky TG24.

Außerdem fassten die Rebellen Gaddafis Sohn Seif el Islam, der als möglicher Gaddafi-Nachfolger galt und wie dieser vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit per Haftbefehl gesucht wird. Der Haager Chefankläger Luis Moreno-Ocampo bestätigte die Festnahme. Laut einem Gerichtssprecher wird bereits mit den Rebellen über eine Überstellung nach Den Haag verhandelt. Ein weiterer Sohn Gaddafis soll zudem unter Hausarrest stehen.

Übergangsrat warnt vor verfrühter Siegesfreude

Nach Angaben von Gaddafis Sprecher Mussa Ibrahim kamen beim Kampf um Tripolis 1300 Menschen ums Leben, eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht. Einer der führenden Vertreter des Nationalen Übergangsrats, Mahmud Dschibril, warnte angesichts der anhaltenden Kämpfe vor verfrühter Siegesfreude. Auch in der Ölstadt Brega im Osten wurde laut den Rebellen weiter gekämpft. Auf den Straßen der Rebellenhochburg Bengasi und in anderen Städten feierten die Rebellen aber bereits den Sieg.

Der Nationale Übergangsrat will ein Machtvakuum in Libyen verhindern und plant einen schnellen Umzug von Bengasi nach Tripolis. Man werde in den kommenden Tagen einige Schwierigkeiten überwinden müssen, doch am Ende werde ein neues Libyen entstehen, sagte der Geschäftsführer des Übergangsrates für Großbritannien, Mahmud Nacua, am Montag dem britischen Sender BBC

Gaddafi soll sich weiterhin seiner Residenz befinden

Der Machthaber wehrte sich in Audiobotschaften gegen die drohende Niederlage und rief die Einwohner von Tripolis in der Nacht zum Montag zum Kampf auf. Laut einem Diplomaten befindet sich Gaddafi weiterhin in seiner Residenz. Das Anwesen war seit März mehrfach Ziel von NATO-Luftangriffen, fast alle Gebäude wurden dabei zerstört. Allerdings soll das Gelände über ein Bunkersystem verfügen.

Die USA, EU, Nato und Deutschland forderten den Rücktritt Gaddafis. Frattini sagte, der einzige Weg für Gaddafi sei jetzt noch der Weg vor den Strafgerichtshof in Den Haag. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) betonte die Notwendigkeit demokratischer Reformen in Libyen und sicherte deutsche Unterstützung beim Wiederaufbau des Landes zu.

China erklärte, gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft beim Wiederaufbau helfen zu wollen. Südafrika wies Gerüchte zurück, südafrikanische Flugzeuge stünden bereit, um Gaddafi und seine Familie außer Landes zu bringen.

rei/dpa/afp

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