Ehemaliger US-Präsident Bill Clinton wird 65

Er war ein Glückskind in der Politik. Als Bill Clinton regierte, brummte die Wirtschaft, der Haushalt war ausgeglichen, und die USA waren in keinen Krieg involviert. Lediglich der zweite Einzug ins weiße Haus blieb ihm verwehrt. Heute wird er 65 Jahre alt.
Bill Clinton: Die Amtszeit des 42. Präsidenten der USA war von einem unvergleichlichen Wirtschaftsboom geprägt

Bill Clinton: Die Amtszeit des 42. Präsidenten der USA war von einem unvergleichlichen Wirtschaftsboom geprägt

Foto: Tannen Maury/ picture alliance / dpa

Washington - Als er seinen 60. Geburtstag feierte, spielten noch Mick Jagger und die Rolling Stones auf. So toll wird es Bill Clinton diesmal wohl nicht treiben. Zwar ist der ehemalige US-Präsident nach wie vor umtriebig, reist in Sachen Anti-Aids-Kampf, Armutsbekämpfung und Klimaschutz um die Welt. Aber ein wenig ruhiger ist der Weißhaarige inzwischen schon geworden. An diesem Freitag wird Bill Clinton 65 - einer der schillerndsten amerikanischen Politiker ist er immer noch.

Den bedrängten Demokraten wird es derzeit ganz warm ums Herz, wenn der Name Bill Clinton fällt. Schließlich war es Clinton, der sich 1995 und 1996 einen beinharten Kampf mit Republikanern um den Etat lieferte - und Zähne zeigte. Zweimal musste er sogar Bundesbehörden schließen, weil ihm die Republikaner den Geldhahn abgedreht hatten. Doch Clinton blieb hart und wurde zehn Monate später wiedergewählt. Manche Demokraten meinen, Barack Obama könnte sich vom politischen Mut Clintons eine Scheibe abschneiden. "Von Clinton lernen, heißt siegen lernen", könnte es im bedrängten Obama-Lager heißen.

Doch die Zeiten sind härter geworden. Als Clinton im Januar 1993 ins Weiße Haus einzog, lag der Irak-Triumph der Amerikaner gerade mal zwei Jahre zurück. Politisch stark und militärisch allen anderen haushoch überlegen standen die USA da: Die Amtszeit des 42. Präsidenten war nach dem Bankrott des Ostblocks von einem unvergleichlichen Wirtschaftsboom geprägt - die goldenen 90er Jahre. Ihm gelang sogar das Kunststück, Etatüberschüsse zu erzielen - heute klingt das wie Schlaraffenland. Politisch gesehen war Clinton, der geborene Rhetoriker mit Verführungsqualitäten, schlichtweg ein Sonntagskind.

Auch außenpolitisch waren es goldene Zeiten. Clinton zog die Strippen, als Palästinenserführer Jassir Arafat und Israels Premier Izchak Rabin 1993 den Vertrag von Oslo unterschrieben. Frieden in Nahost zu schaffen wurde zur Clinton-Passion. Wäre Rabin nicht ermordet worden, meinte er später einmal, hätte man das Ziel erreicht. "Binnen drei Jahren hätten wir einen lebensfähigen Frieden in Nahost erzielt." Und Clintons heimlicher Traum wäre wohl erfüllt worden - der Friedensnobelpreis.

Selbst die Lewinsky-Affäre verziehen ihm die Amerikaner

Erfolge waren auch die US-Militärintervention im damaligen Jugoslawien und das Dayton-Abkommen zur Beendigung des Bosnien-Kriegs. Sein größtes Versagen, resümiert der Ex-Präsident mitunter, war sein Zögern im afrikanischen Ruanda, wo Mitte der 90er Jahre in ethnischen Zusammenstößen Hunderttausende den Tod fanden. Kritiker kreiden Clinton noch etwas anderes an - er sei nicht konsequent genug gegen Osama bin Laden vorgegangen.

Selbst die Affäre um die Praktikantin Monica Lewinsky vergaben ihm die Amerikaner. Zeitweise stand Frauenheld Clinton am Rande des Abgrunds, ein Amtsenthebungsverfahren endete dann mit Freispruch. Davor gab es den großen Auftritt im Fernsehen: "Ich hatte keine sexuelle Beziehung mit dieser Frau". Die Frage war eben, was er unter Sex verstand. Peinlich waren die Details allemal.

Nach dem Weißen Haus startete Clinton mit Volldampf ins zweite Leben. Er gründet eine Stiftung, setzt sich für den globalen Kampf gegen Aids und Armut ein, nur seine zeitweiligen Herzprobleme können ihnen bremsen. Zweimal schon musste er operiert werden.

Lediglich eine Planung lief schief: Zeitweise hatte Bill Clinton schon den Wiedereinzug ins Weiße Haus fest ins Auge gefasst - als Ehemann einer Präsidentin Hillary Clinton. Die Sache ging bekanntlich schief. Dabei hatte Sonntagskind Clinton schon einen Titel für sich auserwählt: "First Dude" hätte er sich genannt, zu deutsch etwa: erster Kumpel der Nation.

Peer Meinert, dpa
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