Die Wirtschaftsglosse Bahn frei für das Vollkasko-Studium

Die Kosten eines Studiums können neuerdings von der Steuer abgesetzt werden. Zu Ende gedacht, dürfte das durchschnittliche Akademiker für die nächsten 20 Jahre aus dem Steuersystem hinauskatapultieren. Am Ende des Tages entsteht damit das größte Konjunkturprogramm aller Zeiten.
Akademische Geldanlage: Hinter diesen Büchern steckt ein kluger Steuersparer

Akademische Geldanlage: Hinter diesen Büchern steckt ein kluger Steuersparer

Foto: Corbis

Der Bundesfinanzhof hat ein wegweisendes Urteil gefällt. Studenten können die Kosten ihres Studiums von der Steuer absetzen. Sie werden geltend gemacht wie andere Werbungskosten auch, die zum Fortkommen im Beruf anfallen.

So wie bisher etwa Porto, Druckerpapier oder ein neuer Computer, können Studiengebühren später, wenn man dann Geld verdient, von der steuerpflichtigen Lohnsumme abgezogen werden. Darunter fällt neben den Gebühren im Prinzip alles, was ein Studium ausmacht:

  • So können Mensakosten beim Finanzamt eingereicht werden;
  • Eintrittsgelder zu Erstsemesterpartys;
  • der Monatsbeitrag zum Studentenkino;
  • ein iPad, sofern es zu mindestens 6 Prozent der Gesamtnutzungszeit zur Mitschrift in der Vorlesung dient; der Einkauf bei Abercrombie and Fitch (Arbeitskleidung!), einschließlich pauschalisierter Übernachtungs- und Anreisekosten (New York!);
  • sowie für berufsrelevante Netzwerktätigkeiten auch Zigarren, Spirituosen und Präservative.

Die Kosten für das Phrasenschwein in der neugegründeten BWL-Lerngruppe dürfen ebenfalls abgeschrieben werden; bei höheren Beiträgen allerdings nur in Form der degressiven AFA, in der Regel also über drei Jahre gestreckt. Die Wäschereinigung bei Muttern wird mit einem Pauschbetrag von 8 Euro pro Woche angesetzt.

Die jährliche Steuerrückzahlung kann so im Regelfall auf etwa 110 Prozent der Steuersumme, in Einzelfällen gar auf 140 Prozent steigen - immer vorausgesetzt, es liegen ausreichend Belege vor. Akademiker blicken damit goldenen Zeiten entgegen. "Durch diesen Gerichtsentscheid wird es der Bundesregierung binnen kürzester Zeit gelingen, den Binnenkonsum in Deutschland auf ungeahnte Höhen zu treiben", freute sich ein Sprecher der Bundeskanzlerin gestern über das unerwartete Konjunkturprogramm, bevor er sich zur Belegrecherche auf seinem Dachboden krankmeldete. Der Wirtschaftshistoriker Hans-Werner Kaufmann nannte die Entwicklung "das größte Konjunkturprogramm aller Zeiten".

Der Bund der Steuerzahler wies darauf hin, dass es in Einzelfällen günstiger sein kann, Mieten und Betriebskosten der Studentenbude nicht dem Finanzamt zu melden, sondern stattdessen tägliche Fahrtkosten vom Elternhaus zur Uni anzugeben. Wenn eine einfache Strecke von mindestens 600 Kilometern glaubhaft gemacht werden könne, zum Beispiel die Fahrt von Herne an die Uni Greifswald, lägen die Rückerstattungen spürbar höher. "Die Methode entspricht zwar nicht dem Geist der Regelung", räumte der Fachreferent der Lobbyorganisation ein, "ist aber legal."

Besondere Zuwendungen der Finanzämter dürfen solche Studenten erwarten, die den Weg einer akademischen Karriere eingeschlagen haben oder zumindest damit liebäugeln. Nicht nur die Druckkosten für eine Doktorarbeit oder Habilitationsschrift sind voll anrechenbar. Auch

  • der gesamte Finanzaufwand der Recherche (Periodika, Übersetzerkosten, Antidepressiva),
  • der Einsatz von Ghostwritern
  • sowie der Rechtsbeistand in Plagiatsprozessen kann abgesetzt werden.

Dazu genügen die fortlaufend nummerierten Belege und eine möglichst vollständige Liste der Kosten, Autoren und Plagiatstellen.

Wie die "Bild"-Zeitung meldet, erwägt Karl-Theodor zu Guttenberg, seine geplante Auszeit in den USA so lange zu verschieben, bis er all seine akademischen Bildungskosten in vollem Umfang geltend machen konnte. Enge Bekannte, die mit dem Ausmaß der Guttenbergschen Spenden an die Uni Bayreuth vertraut sind, rechnen daher mit seinem Wegzug frühestens 2034.

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