Jugendarbeitslosigkeit Deutschland auf drittem Platz in Europa

Es scheint eine beruhigende Nachricht zu sein: Deutschland hat die drittniedrigste Jugendarbeitslosigkeit aller 27 EU-Staaten. Dennoch dürfte unter den 19- bis 24-Jährigen hierzulande kein Jubel aufkommen. Junge Menschen sind in Deutschland trotzdem überdurchschnittlich oft arbeitslos.
Mehr Jobs für junge Leute: Jugendarbeitslosigkeit zuletzt gefallen

Mehr Jobs für junge Leute: Jugendarbeitslosigkeit zuletzt gefallen

Foto: Hendrik Schmidt/ picture alliance / dpa

Wiesbaden - Die Arbeitslosigkeit in Deutschland fällt. Im Vergleich zum Jahr 2009 sind hierzulande mittlerweile rund 2,5 Millionen Frauen und Männer weniger arbeitslos gemeldet - zuletzt waren es 2.939.000. Mehr noch: Im zweiten Quartal 2011 gab es knapp eine Million offene Stellen, hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Donnerstag bekannt gegeben, und die Unternehmen stellen offenbar weiter kräftig ein. Das verbessert auch die Lage vieler junger Menschen in Deutschland.

Im Juni waren 9,1 Prozent oder 430.000 Menschen zwischen 15 und 24 Jahren ohne Job, teilte das Statistische Bundesamt mit. Nur in den Niederlanden (7,1 Prozent) und Österreich (8,2 Prozent) lag die Erwerbslosigkeit in dieser Altersgruppe niedriger. Der Schnitt in der Europäischen Union (EU) betrug 20,5 Prozent. Schlusslicht ist mit Abstand Spanien. Dort ist mit 45,7 Prozent fast jeder zweite junge Mensch ohne Arbeit. In Griechenland lag die Quote im März bei 38,5 Prozent.

Doch die Verbesserung in Deutschland übertüncht eine deutlich weniger beruhigende Nachricht - auch, wenn zuletzt beispielsweise so viele Ausbildungsplätze für junge Leute wie seit Langem nicht mehr angeboten worden sind. "Im Juni 2011 lag die deutsche Jugenderwerbslosenquote immer noch höher als die allgemeine Erwerbslosenquote bezogen auf Erwerbspersonen im Alter von 15 bis 74 Jahren", betonten die Statistiker. Diese lag bereinigt bei 6,1 Prozent. Trotz der im europäischen Vergleich günstigen Arbeitsmarktlage seien junge Menschen in Deutschland deshalb nicht nur häufiger mit Erwerbslosigkeit konfrontiert als die Gesamtbevölkerung hierzulande. Sie müssten sich auch deutlich öfter mit einer sogenannten atypischen Beschäftigung zufriedengeben, wie einem befristeten Job.

Im Juli 2009, inmitten der Wirtschaftskrise, war die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland noch auf 11,5 Prozent in die Höhe geschnellt. Mittlerweile liegen die Zahlen in Deutschland anders als in fast allen übrigen EU-Staaten sogar unter dem Niveau aus Zeiten vor der Wirtschaftskrise. Im April 2008 hatte in Deutschland die Erwerbslosenquote junger Menschen noch 10,7 Prozent betragen und belegte damit Rang acht im Vergleich der EU-Staaten.

In allen EU-Staaten zusammen waren im Juni 2011 über fünf Millionen junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren erwerbslos. In Großbritannien, wo es zuletzt schwere Krawalle von überwiegend jungen Menschen gab, liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 19,6 Prozent. Dies sind noch rund 6 Prozentpunkte mehr als vor der Wirtschaftskrise. In Spanien, Griechenland, Lettland und Litauen hat sich die Quote ebenfalls seit Ende der globalen Rezession kaum erholt und liegt noch jeweils rund 20 Prozentpunkte über dem Niveau aus Zeiten vor der Krise.

kst/dpa/rtr
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