Spanisches Parlament Minister wegen Verzicht auf Krawatte gerügt

Bei den derzeitigen Außentemperaturen in Spanien laufen die Klimaanlagen auf Hochtouren. In den öffentlichen Gebäuden sind sie häufig sogar kälter eingestellt als erlaubt. Für Industrieminister Miguel Sebastián eine eklatante Verschwendung, die er beseitigen will - und zwar ohne Krawatte.
Grund der Streitereien: Für den spanischen Parlamentspräsidenten müssen sich diejenigen, die führende Ämter bekleiden, auch angemessen kleiden

Grund der Streitereien: Für den spanischen Parlamentspräsidenten müssen sich diejenigen, die führende Ämter bekleiden, auch angemessen kleiden

Foto: DPA

Madrid - Ist das Tragen von Krawatten in einem im Sommer knallheißen Land wie Spanien mit einem energiebewussten Lebensstil vereinbar? Nein, meint Industrieminister Miguel Sebastián.

Als er kürzlich demonstrativ ohne Krawatte zu einer Sitzung im Abgeordnetenhaus in Madrid erschien, erteilte ihm Parlamentspräsident und Parteikollege José Bono eine scharfe Rüge: Diejenigen, die führende Ämter bekleideten, sollten den Bürgern Vorbild sein, indem sie sich angemessen kleideten. Minister Sebastián lenkte jedoch nicht ein: Wichtiger sei es, die hohen Energiekosten zu senken.

Sebastiáns Ministerium hat ausgerechnet, dass mit jedem Grad weniger Kühlung durch Klimaanlagen 7 Prozent Energiekosten gespart würden. Nach den spanischen Regelungen soll die Temperatur der Klimaanlagen in öffentlichen Gebäuden nicht auf unter 26 Grad eingestellt werden. Nur in den wenigsten Fällen wird diese Norm jedoch beachtet.

Verteidigungsministerin: "Wie in Sibirien"

Selbst im Parlament werde die Klimaanlage im Sommer so stark beansprucht, dass es sich "wie in Sibirien" anfühle, klagte Verteidigungsministerin Carme Chacón. Nach Auffassung ihres Kollegen im Industrieministerium sollen die Abgeordneten den Beamten und den Mitarbeitern in Unternehmen als Vorbild dienen, indem sie im Sommer ihre Krawatten ablegten und sich leicht kleideten.

Für Sebastiáns Kritiker ist die Krawatte jedoch ein winziges Detail, wenn es darum geht, die enormen Umweltprobleme in Spanien zu bewältigen. Diese werden vor allem durch die Abgase von Fahrzeugen und die extrem hohe Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen verursacht.

Die ganze Krawatten-Debatte sei "banal", sagte Eduardo Madina, Generalsekretär der sozialistischen Parlamentsfraktion, zu der sowohl Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero als auch Sebastián und Bono gehören. "An einigen Tagen trage ich eine Krawatte und an anderen Tagen nicht. Es ist nicht so wichtig", meinte Madina. Selbst Männer, die führende Posten bekleideten, sollten im 21. Jahrhundert die Freiheit haben, sich zu kleiden, wie sie möchten.

Solche Ansichten finden beim Parlamentspräsidenten Bono kein Verständnis. Als Sebastián in Erinnerung brachte, dass der frühere japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi die Arbeiter aufgerufen hatte, ihre Krawatten im Interesse der Energieeinsparung abzulegen, erwiderte Bono: "Ich weiß nicht, ob der japanische Ministerpräsident auch (...) ohne Krawatte vor dem Kaiser erscheinen würde." Sebastián versprach jedoch, dass er seine Anti-Krawatten-Kampagne weiterführen werde, "egal was Bono oder der japanische Kaiser sagen würden".

mg/dpa-afx
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