Deutschland Kein Arbeitskräfteansturm aus Osteuropa

Seit dem 1. Mai können viele Osteuropäer ohne Einschränkung in Deutschland arbeiten. Doch im ersten Monat der neuen Freizügigkeit kletterte die Zahl der Arbeitnehmer aus Osteuropa nicht einmal um 10 Prozent. Jetzt fordert die CDU bereits eine neue "Willkommenskultur".
"Keine nennenswerte Konkurrenz": Heimische Arbeitlose werden durch den Zuzug von Arbeitskräften aus Osteuropa nicht benachteiltigt, ist die Bundesagentur für Arbeit überzeugt

"Keine nennenswerte Konkurrenz": Heimische Arbeitlose werden durch den Zuzug von Arbeitskräften aus Osteuropa nicht benachteiltigt, ist die Bundesagentur für Arbeit überzeugt

Foto: DPA

Nürnberg/Berlin - Trotz der Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes ist der Ansturm von osteuropäischen Arbeitskräften weitgehend ausgeblieben. Das geht aus einer ersten Bilanz hervor, die die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg vorgestellt hat. Durch die sogenannte Arbeitnehmerfreizügigkeit sei die Zahl der Beschäftigten aus den acht osteuropäischen EU-Beitrittsstaaten im Mai um lediglich 24.000 auf 259.000 gestiegen.

"Nach wie vor hält sich der Zustrom osteuropäischer Arbeitskräfte in Grenzen", bilanzierte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker. "Sie stellen keine nennenswerte Konkurrenz für heimische Arbeitslose dar." Seit dem 1. Mai können auch Bürger aus den EU-Staaten Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowenien, Ungarn, Tschechien und der Slowakei ohne Einschränkungen eine Arbeit in Deutschland aufnehmen. Nach einem Monat stellten sie in der Bundesrepublik aber gerade einmal 0,8 Prozent der Beschäftigten.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Joachim Pfeiffer (CDU), forderte bereits eine "Willkommenskultur", um für ausländische Fachkräfte attraktiv zu werden. Eine erleichterte Anerkennung von Qualifikationen gehöre ebenso dazu wie verbesserte arbeitsrechtliche Bedingungen für Familienangehörige.

Die magere Bilanz zeichnete sich bereits in den kürzlich bekanntgewordenen Zahlen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ab. Danach wanderten im Mai aus den acht betroffenen EU-Staaten lediglich 10.324 Menschen nach Deutschland ein - kaum mehr als doppelt so viele wie im April, als die Hürden für die Arbeitsaufnahme noch deutlich höher waren.

Nach der BA-Bilanz nahmen aus den acht osteuropäischen Staaten im Mai insgesamt 33.000 Menschen einen Job in Deutschland an. Davon seien allerdings nur 24.000 Arbeitsverhältnisse auf die neue Freizügigkeit zurückzuführen - die übrigen 9000 seien jahreszeitlich bedingt. Dass diese Zahlen höher sind als die Zuwanderungszahlen des BAMF, begründet die Arbeitsagentur damit, dass viele der jetzt sozialversicherungspflichtigen Arbeitskräfte schon vor dem 1. Mai in Deutschland lebten, aber entweder arbeitslos oder selbstständig waren.

Insgesamt waren Ende Mai 186.000 Menschen aus den acht Ländern in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt und 73.000 ausschließlich geringfügig.

rei/dpa/reuters
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