Mittwoch, 24. April 2019

Die Wirtschaftsglosse Die Zigarette danach ...

Nach dem Euro erstmal eine rauchen? Die Zigarette könnte bald zur europäischen Einheitswährung werden

Der Euro ist am Ende, das ist wohl sicher. Doch was kommt danach? Etwa Gold? Silber? Kaurischnecken? Am Ende des Tages wird sich die gute alte Zigarette als Ersatzwährung wieder durchsetzen - die Finanzmärkte haben das schon erkannt.

Angesichts der anhaltenden Sorgen um den Euro rücken an den Finanzmärkten mehr und mehr sichere Werte in den Fokus. Die Folge sind teilweise erhebliche Preisanstiege. Die Feinunze Gold beispielsweise ist so teuer wie nie, auch Silber hat zuletzt wieder zugelegt.

"Die Schuldenkrise spitzt sich zu", sagt irgendein Devisenhändler zum manager magazin. "Griechenland ist so gut wie pleite, der Euro wohl nicht mehr zu retten." Die Frage, so der Fachmann, sei jetzt nur noch: Was löst die Einheitswährung als Zahlungsmittel in Europa ab?

Christoph Rottwilm
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Christoph Rottwilm
Spekulanten und andere Hedgefondsmanager glauben die Antwort schon zu kennen: Fußballbilder, Murmeln, Holzpellets, Kaurischnecken - sie reißen sich um alles, was als Ersatzwährung denkbar erscheint.

Besonders gefragt sind Zigaretten, denn sie erwiesen sich in schwieriger Zeit schon einmal als lukrative Wertanlage. Eine Archivrecherche ergibt: Ein Tabakstäbchen kostete 1940 etwa 3,5 Reichspfennige. Gut fünf Jahre später dann konnte man es bereits für bis zu zwölf Reichsmark veräußern - und damit eine durchschnittliche Jahresrendite von knapp 7000 Prozent einstreichen.

Warum sollte sich die Geschichte nicht wiederholen, fragt sich jetzt manch einer an den Finanzmärkten. Und ein erfahrener Spekulant sagt zum manager magazin: "Wir gehen long in Zigaretten. Wir kaufen allerdings keine Schachteln, sondern drehen selbst. Das ist billiger."

Die Wirtschaftsglosse im manager magazin
Jeden Freitag eröffnen Autoren aus der Print- und Onlineredaktion von manager magazin einen anderen Blickwinkel auf das Wirtschaftsgeschehen: Weniger kursrelevant, aber am Ende des Tages umso unterhaltsamer.
Und das Wertsteigerungspotenzial ist längst nicht alles. Fachleute weisen auch auf die besondere Eignung der Glimmstengel als Zahlungsmittel hin. Die Politik, so wird gemunkelt, bereitet die Ablösung des Euro schon länger vor. Dafür spreche zum Beispiel die enorme Zahl von Zigarettenautomaten in Deutschland. Nicht weniger als 380.000 sind es laut Bundesverband Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenhersteller (BDTA).

Zum Vergleich: Der Bankenverband beziffert die Zahl der Geldautomaten auf lediglich 59.394 (Stand 2009).

Schließlich: Nicht weniger als 83,6 Milliarden Zigaretten wurden laut BDTA allein 2010 bundesweit verkauft. Dabei haben wir schon lange weitreichende Rauchverbote hierzulande. Die Spekulanten haben offenbar schon früh zugeschlagen.

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