Neue Krisensituation Van Rompuy will EU-Sondergipfel

Es wird noch kritischer für Europa: Griechenland braucht schon am 15. September neues Geld. Italien ist Teil der Krise geworden, und an den Börsen sinken die Kurse. Jetzt versucht EU-Gipfelchef Herman van Rompuy, die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Staaten von einem Sondertreffen zu überzeugen.
EU-Gipfelchef Herman Van Rompuy (l.) und Kommissionspräsident José Manuel Barroso: Sondergipfel verdeckt vorbereitet

EU-Gipfelchef Herman Van Rompuy (l.) und Kommissionspräsident José Manuel Barroso: Sondergipfel verdeckt vorbereitet

Foto: JOHN THYS/ AFP

Hamburg - Die Nachrichten überschlagen sich. Noch während EU-Gipfelchef Herman van Rompuy versucht, die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Staaten zu einem Sondertreffen zu bewegen, verschärft sich die Lage erneut: Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos berichtet, Athen benötige die nächste internationale Hilfsüberweisung am 15 September dieses Jahres. "Was immer die Griechen in die Wege leiten, wird derzeit von den Finanzmärkten zum Vorwand für eine Attacke auf den Euro genommen", sagte Venizelos resigniert.

Der Kursverlust des Euro ist zum Symbol für die Schärfe der Krise geworden. Der Euro verlor am Dienstag gegenüber dem US-Dollar an Wert - er rutschte unter die Marke von 1,40 Dollar; Spekulationen über ein mögliches Eingreifen der EZB stoppten die Euro-Talfahrt vorerst. Mehr noch: Die Finanzmärkte nehmen derzeit das hoch verschuldete EU-Gründungsmitglied Italien unter Beschuss. Sie verlangen sprunghaft steigende Gefahrenzulagen für italienische Staatsanleihen.

Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen Italiens kletterten am Dienstag erstmals seit 1997 zeitweise über die Marke von 6 Prozent. An der Höhe der Rendite bemisst sich die Gefahrenzulage, die der Kapitalmarkt für das jeweilige Land verlangt. Auch in Spanien - nach Italien die viertgrößte Euro-Wirtschaft - legten die Renditen zeitweise stark zu. Später entspannte sich die Lage etwas. In Deutschland liegt die zehnjährige Rendite mit 2,5 Prozent wesentlich niedriger.

Dramatisch auch die Lage an der Börse: Vor allem in den ersten Handelsstunden fürchteten Anleger, dass sich ein Übergreifen auf andere Sorgenkinder der EU kaum noch vermeiden lässt. "Weil nun auch Italien massiv unter Druck steht, ist die Unsicherheit einfach wahnsinnig groß", sagte ein Händler. Der Frankfurter Aktienleitindex Dax  rutschte bei hohen Umsätzen zeitweise um mehr als 3 Prozent ab unter die Marke von 7000 Punkten. Der deutsche Leitindex schloss 0,8 Prozent schwächer bei 7174,14 Punkten. Bereits am Vortag hatte er über 2Prozent verloren. Der italienische Leitindex rauschte in der Spitze um 4,8 Prozent die Tiefe und notierte damit so niedrig wie seit April 2009 nicht mehr.

Mit allen Mitteln wollen die EU-Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Staaten dann auch die Ausbreitung der Schuldenkrise auf große Länder wie Italien oder Spanien verhindern. Wegen der sich immer weiter zuspitzenden Lage auf den Finanzmärkten ist ein Krisentreffen an diesem Freitag (15.7.) geplant, wie Diplomaten am Dienstag in Brüssel sagten. "Es ist nicht ausgeschlossen, aber noch nicht entschieden", sagte van Rompuy dazu. Der Belgier bereitet Gipfeltreffen vor und führt diese auch.

Olli Rehn: "In einer ernsten Phase der Schuldenkrise"

EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte beim Finanzministertreffen in Brüssel: "Wir sind uns natürlich bewusst, dass wir uns in einer ernsten Phase der Schuldenkrise befinden." Diese Krise müsse eingegrenzt werden, um eine Ansteckung anderer Länder zu verhindern.

Nach mehreren Tagen brach dann auch der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi am Dienstag sein Schweigen, beteuerte die wirtschaftliche Stabilität Italiens und rief zum gemeinsamen Handeln auf. Das italienische Sparpaket in Höhe von rund 47 Milliarden war vor circa einer Woche vom Kabinett verabschiedet worden, es muss aber noch durchs Parlament - wohl am Donnerstag.

Zuletzt waren die 17 Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone am 11. März zu einem Sondertreffen zusammengekommen. Sie beschlossen damals Maßnahmen zur Absicherung der Euro-Währung. In den vergangenen Monaten hatte sich Van Rompuy mit Krisentreffen der "Chefs" zurückgehalten. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble versicherte, es werde alles unternommen, um die finanzielle Stabilität des Euro-Gebiets zu sichern. "Wir sind über Griechenland hinaus bereit, alles Erforderliche zu tun."

kst/rtr/dpa/afp
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