Abhörskandal Weitere Details bringen Murdochs Imperium ins Wanken

Im Skandal um illegale Methoden britischer Journalisten des Murdoch-Imperiums kommen neue Details an Licht. So soll der frühere Premierminister Gordon Brown von der "Sunday Times" und "The Sun" bespitzelt worden sein. Murdochs Übernahme des Senders BSkyB wird somit immer ungewisser.
News Corporation CEO Rupert Murdoch: Aufgrund immer neuer Anschuldigungen fordert nun auch der britische Premier David Cameron schnelle Aufklärung

News Corporation CEO Rupert Murdoch: Aufgrund immer neuer Anschuldigungen fordert nun auch der britische Premier David Cameron schnelle Aufklärung

Foto: ? POOL New / Reuters/ Reuters

London - Der Abhörskandal in Großbritannien weitet sich immer weiter aus. Die Polizei informierte den früheren Premierminister Gordon Brown darüber, dass er möglicherweise zu seinen Zeiten als Finanzminister jahrelang von den Zeitungen "The Sunday Times" und "The Sun" ausspioniert wurde, wie ein Sprecher Browns sagte. Die Zeitungen gehören wie das eingestellte Boulevardblatt "News of the World" zu dem Imperium von Rupert Murdoch.

"Brown ist über das Ausmaß des Eingriffs in sein Familienleben informiert worden", sagte der Sprecher weiter. "Die Familie ist schokiert über das Ausmaß der kriminellen Energie und über die unethischen Mittel, mit denen persönliche Daten beschafft wurden. Der Fall liegt in den Händen der Polizei." Den Angaben zufolge soll der Privatdetektiv Glenn Mulcaire im Auftrag von Murdochs Verlag News International, dem britischen Ableger des Medienimperiums, Browns Handy und sein persönliches Konto gehackt haben, als dieser noch Finanzminister war.

News International erklärte, die Anschuldigungen zur Kenntnis genommen zu haben. Um den Fall weiter prüfen zu können, bitte der Verlag nun darum, dass ihm "alle Informationen dazu übermittelt werden", hieß es in der Erklärung. Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Murdochs Boulevardzeitung "News of the World" Tausende Menschen illegal abgehört hatte. Die Zeitung war daraufhin eingestellt worden.

Übernahme von BSkyB droht zu platzen

Der Rundfunksender BBC und die Zeitung "Guardian" berichteten, die "Sunday Times" habe sich private medizinische und finanzielle Daten sowie Informationen über ein Wohnungsgeschäft beschafft. Laut "Guardian" reichen die Vorwürfe bis in die Amtszeit von Brown als Regierungschef. Dem Bericht zufolge beschaffte sich die Zeitung unter anderem Details aus der Krankenakte von Browns schwer erkranktem kleinen Sohn. Brown war von 1997 bis 2007 zunächst Finanzminister, bevor er in den drei darauf folgenden Jahren Premier war.

Im Zuge des Abhörskandals droht nun auch die Übernahme des britischen Senders BSkyB durch Murdoch zu platzen. Vize-Premierminister Nick Clegg forderte Murdoch auf, sein Übernahmeangebot zu "überdenken". Auch der derzeitige Premier David Cameron, der durch enge Verbindungen zum Murdoch-Konzern selbst in der Kritik steht, forderte den Medienunternehmer auf, sich um den Abhörskandal zu kümmern, statt um die nächste Übernahme. Würde er den Konzern führen, wäre es ihm zunächst daran zu gelegen, die Krise zu überwinden, sagte Cameron.

Ursprünglich war erwartet worden, dass die Regierung schon in den kommenden Tagen grünes Licht für die millionenschwere Übernahme des Bezahlsenders durch den Murdoch-Konzern geben werde. Die britische Regierung überwies das Übernahmeangebot nun aber zunächst an das Kartellamt. Laut Kulturminister Jeremy Hunt wird die Prüfung durch die Behörde sechs Monate dauern. Sie erlaubt der Regierung, die umstrittene Übernahme zunächst einzufrieren.

sk/afp
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