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Italien-Milliarden: Um wie viel Geld Deutschlands Banken zittern

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Krisenfonds ESM Griechenland-Pakt kann 120 Milliarden schwer werden

Nervosität wie vor einem Endspiel: Noch während der dauerhafte Krisenfonds für wackelnde Euro-Staaten ESM heute besiegelt wurde, wird über ein neues Hilfspaket für Griechenland verhandelt. Parallel soll die Ausbreitung der Krise auf Italien verhindert werden - durch Sparen, fordert Kanzlerin Angela Merkel.

Brüssel - Es beginnt um Alles zu gehen, entsprechen kriegerisch wird die Rethorik: "Europa ist bereit, die Euro-Zone zu verteidigen", sagte der niederländische Ressortchef Jan Kees de Jager heute in Brüssel. Das Angebot eines neuen, möglicherweise bis zu 120 Milliarden Euro schweren Pakets wollte die Ministerrunde schriftlich zusichern, auch um die höchst nervösen Finanzmärkte zu beruhigen.

Bei dem Treffen wurde deutlich, dass Kernfragen des neuen Griechenland-Notplans allerdings weiter umstritten sind. Besonders bei der Einbeziehung von Banken und Versicherungen drehen sich die Europäer im Kreis. Vor allem Deutschland, die Niederlande und Finnland pochen darauf, dass die Privatgläubiger einen "substanziellen Anteil" an dem Paket stemmen.

In Europa nehmen die Befürchtungen zu, dass Italien als nächstes Land in die Schuldenkrise im Euro-Raum gerissen wird. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief am Montag in Berlin das Parlament in Rom auf, als "wichtiges Signal" einen Sparhaushalt zu verabschieden. Die Aktienkurse an den Börsen in Mailand und Madrid brachen ein.

Merkel forderte das italienische Abgeordnetenhaus auf, einem Sparhaushalt der Regierung zuzustimmen. Sie beriet nach eigenen Worten am Sonntag mit Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi über die drohende Ansteckung des Landes in der Schuldenkrise. Der Euro als solcher sei stabil, sagte Merkel. "Aber wir haben in einigen Ländern ein Schuldenproblem."

An der Mailänder Börse stürzten am Montag erneut die Aktienkurse ab. Der Index des Handelsplatzes stand am Nachmittag mit 4,4 Prozent im Minus, besonders die Aktien von Banken verloren an Wert. An der Börse der spanischen Hauptstadt Madrid fiel der Aktienindex um mehr als drei Prozent. Bereits am Freitag war der Mailänder Aktienindex eingebrochen. Zudem stiegen die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen vergangene Woche auf Höchststände. Auch an der Börse in Frankfurt sanken die Kurse deutlich: Der deutsche Aktienleitindex Dax  sackte um 2,3 Prozent ab.

Finanzministerin Salgado: "Bedrohung viel systemischer"

Um Zweifel an seiner Kreditwürdigkeit zu beseitigen, will die italienische Regierung in den kommenden vier Jahren rund 40 Milliarden Euro einsparen. Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, ein Hilfseinsatz für das Land könnte den Europäern wesentlich größere Probleme bereiten als die Unterstützung für Griechenland, Irland und Portugal.

Spaniens Finanzministerin Elena Salgado, deren Land ebenfalls als finanzpolitischer Wackelkandidat gilt, zeigte sich besorgt angesichts der Entwicklungen in Italien. Die Bedrohung sei "viel systemischer" und betreffe "nun die Euro-Zone als Ganzes", sagte sie in Brüssel am Rande eines Treffens der Euro-Finanzminister. Der belgische Finanzminister Didier Reynders sagte, es gebe "Spannungen in der gesamten Eurozone und wir müssen daher eine Lösung finden".

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bemühte sich, Zweifel an der Widerstandsfähigkeit Italiens zu entkräften: "Italien ist auf einem guten Weg" und der Sparplan "sehr überzeugend". Auch Polens Finanzminister Jacek Rostowski sagte, er befürchte kein Übergreifen der Schuldenkrise.

Schleppende Verhandlungen mit den Banken

Schäuble widersprach Überlegungen, das Volumen des Euro-Rettungsfonds auf 1,5 Billionen Euro zu verdoppeln, um sich auf einen möglichen Hilfseinsatz für Italien vorzubereiten. "Davon kann überhaupt keine Rede sein", sagte er. Zuvor hatte "Die Welt" unter Berufung auf ranghohe Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) von solchen Forderungen berichtet.

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist angeblich von der immensen Verschuldung Italiens höchst alarmiert. Nach einem Bericht von "Welt Online" halten es die Währungshüter für nötig, den Schirm aufzustocken. Der bestehende Schirm reiche nicht, eine Schutzmauer um Italien zu bauen, hieß es weiter.

Schäuble kritisierte die schleppenden Verhandlungen mit dem Privatsektor. "Wenn es nach Deutschland gegangen wäre, hätten wir schon ein neues Programm für Griechenland." Die deutsche Finanzbranche hatte zugesagt, sich mit 3,2 Milliarden Euro zu beteiligen. Inzwischen wird der zunächst für Anfang Juli angepeilte Abschluss der Verhandlungen erst im September erwartet.

Ratingagenturen hatten allerdings signalisiert, dass sie auch ein freiwilliges Mitziehen der Banken als einen teilweisen Zahlungsausfall bewerten würden - und das wollen die Europäer verhindern. De Jager sagte, die Arbeiten dürften sich bis Ende August oder Anfang September hinziehen.

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