Lahmer Aufschwung Arbeitslosigkeit steigt in den USA weiter

Die USA kriegen den Jobmarkt nicht in den Griff: Die Arbeitslosenquote kletterte im Juni weiter auf 9,2 Prozent. Noch im Vormonat waren es 9,1 Prozent. Nach wie vor entstehen nicht genügend neue Jobs, um die Menschen von der Straße zu holen.
Arbeitssuchende in den USA: Lage bleibt angespannt

Arbeitssuchende in den USA: Lage bleibt angespannt

Foto: ? Lucy Nicholson / Reuters/ REUTERS

Hamburg - Der US-Arbeitsmarkt tritt auf der Stelle. Außerhalb der Landwirtschaft wurden im Juni unter dem Strich insgesamt nur 18.000 Stellen geschaffen, wie das Arbeitsministerium am Freitag mitteilte. Volkswirte hatten mit einem viel stärkeren Zuwachs um 104.000 Stellen gerechnet. Doch der US-Aufschwung scheint einfach nicht kräftig genug zu sein, um für viele neue Jobs zu sorgen.

Darüber hinaus wurde der Beschäftigungsaufbau für die beiden Vormonate deutlich um 44.000 Stellen nach unten korrigiert. Demnach sind in den Monaten April und Mai nicht 286.000 Stellen, sondern nur 242.000 Stellen geschaffen worden. "Insgesamt sind die letzten beiden Arbeitsmarktberichte eine bittere Pille, da sie den sehr zähen Konjunkturaufsuchung untermauern", kommentierte Deka-Bank-Experte Christian Melzer die Zahlen.

Zudem stieg auch die Arbeitslosenquote in den USA überraschend an. Die Quote legte von 9,1 Prozent im Vormonat auf 9,2 Prozent zu. Ökonomen hatten zuvor einen unveränderten Wert erwartet. Vor allem dieser Anstieg ist nach Einschätzung der Landesbank Hessen-Thüringen ernüchternd. Von einer spürbaren Belebung am Arbeitsmarkt könne keine Rede sein. "Die Zahlen unterstreichen, dass sich die US-Wirtschaft derzeit in einer Wachstumsdelle befindet." Zuletzt hatte US-Präsident Barack Obama selbst vor einer möglichen Rezession gewarnt.

"Die US-Notenbank (Fed) dürfte sich durch die jüngsten Arbeitsmarktdaten in ihrer expansiven Politik bestätigt sehen", sagte Christoph Balz, USA-Experte bei der Commerzbank. Dafür sprechen laut Balz auch die Stundenlöhne, die im Juni stagnierten. Inflationsdruck sei hier nicht erkennbar. Deka-Bank-Volkswirt Christian Melzer erwartet erneut Rufe nach einer erneuten geldpolitischen Lockerung. Gleichwohl hält der Experte zusätzliche Anleihenkäufe durch die Fed für unwahrscheinlich. "Vielmehr wird die Fed wohl länger mit einer Reduzierung ihrer Anleihenbestände warten."

An den Finanzmärkten fiel die Reaktion heftig aus: Während die Ölpreise kräftig ins Minus drehten, profitierten sichere Anlagen wie deutsche und amerikanische Staatsanleihen. Die Aktien reagierten mit deutlichen Kursabschlägen. Der Euro-Kurs stieg um rund einen halben Cent auf mehr als 1,43 US-Dollar.

kst/rtr/dpa-afx
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