UN-Tribunal Richter wirft Mladic aus dem Gerichtssaal

Der frühere Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, ist kurz nach Beginn einer Sitzung vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal des Saals verwiesen worden. Der 69-Jährige störte mit ständigen Zwischenrufen das Verlesen der Anklage.
Ratko Mladic: Der Angeklagte hatte bereits bei seinem ersten Erscheinen vor Gericht im Juni ein Plädoyer verweigert

Ratko Mladic: Der Angeklagte hatte bereits bei seinem ersten Erscheinen vor Gericht im Juni ein Plädoyer verweigert

Foto: VALERIE KUYPERS/ AFP

Den Haag - Der wegen Völkermords angeklagte serbische Ex-General Ratko Mladic ist aus dem Gerichtssaal gewiesen worden. Damit reagierte der Vorsitzende Richter auf ständige Unterbrechungen durch den Angeklagten. Mit dem Zwischenruf "Nein, nein, ich höre nicht zu!" hatte Mladic gestört, als der Richter die Punkte der Anklage vortragen wollte. Sicherheitsbeamte führten den 69-Jährigen, der sich zunehmend aggressiv verhalten hatte, aus dem Saal.

Der Vorsitzende Richter Alphons Orie aus den Niederlanden legte anschließend in Abwesenheit des Angeklagten Plädoyers auf unschuldig fest und ließ diese entsprechend zu den Akten nehmen. Dies entspricht dem normalen Verfahren, wenn ein Angeklagter sich zu den erhobenen Vorwürfen nicht äußert.

Dem früheren Militärführer der bosnischen Serben werden Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in elf Punkten vorgeworfen - darunter die Massaker in Srebrenica im Sommer 1995, bei denen bis 8000 bosnische Muslime ermordet wurden, sowie die jahrelange Belagerung von Sarajevo, der etwa 10.000 Einwohner der einstigen Olympiastadt zum Opfer fielen.

Bei seinem ersten Erscheinen vor dem Tribunal am 3. Juni hatte Mladic die Anklage als "abscheuliche Vorwürfe" sowie "ungeheuerliche Worte" bezeichnet und ein Plädoyer verweigert. Mladic folgt damit dem Beispiel seines ideologischen Mentors Radovan Karadzic. Der ebenfalls wegen des Völkermords von Srebrenica angeklagte frühere politische Führer der bosnischen Serben hatte die Vorwürfe in seinem 2009 eröffneten Prozess als "Sammlung von Lügen" bezeichnet.

sk/dpa-afx
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