Euro-Krise Bofinger warnt vor China-Krediten für Europa

Es wäre ein riskantes Manöver: Chinas Premier Wen Jiabao hat zu Beginn des heutigen Staatsbesuchs in Berlin angeboten, der Euro-Zone in der Schuldenkrise beizustehen und Milliarden in die Kredite der Schuldenstaaten zu pumpen. Genau davor aber warnt der Wirtschaftsweise Peter Bofinger.
Wirtschaftsweise Peter Bofinger: Warnt vor möglichen Folgen des China-Angebots

Wirtschaftsweise Peter Bofinger: Warnt vor möglichen Folgen des China-Angebots

Foto: DPA

Berlin - China hat der Euro-Zone in der bedrohlichen Schuldenkrise Hilfe in Aussicht gestellt. China werde, wenn nötig, Staatsanleihen von Euro-Staaten in angemessener Menge kaufen, sagte Chinas Premierminister Wen Jiabao heute in Berlin; der chinesische Regierungschef führt eine Delegeation von 13 Ministern an, die ab heute auf Staatsbesuch in der Bundesrepublik eingetroffen sind. "Wenn Europa Schwierigkeiten hat, strecken wir die helfende Hand aus", sagte der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao nach den ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen am Dienstag.

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte das Angebot. Sie habe Wen zugesichert, "dass wir uns um Solidarität und Solidität in der Euro-Zone kümmern".

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger dagegen warnte eindringlich davor, die Hilfe anzunehmen - und damit vor möglichen chinesischen Krediten für Euro-Schuldenstaaten. "Die chinesische Hilfe würde große politische Abhängigkeiten schaffen. Europäische Solidarität könnte solche gefährlichen Abhängigkeiten verhindern", sagte Bofinger der "Passauer Neuen Presse".

Es sei besser, wenn europäische Partner helfen würden. "Es gilt immer der Grundsatz: Wes' Brot ich ess, des' Lied ich sing", sagte das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die chinesische Hilfe könnte "am Ende womöglich politisch ziemlich teuer" werden.

Massenproteste in Griechenland

Mit dramatischen Appellen kämpfte die EU um die Zustimmung des griechischen Parlaments zum alles entscheidenden Sparpaket für das pleitebedrohte Land. Auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament in Athen protestierten erneut Tausende gegen die drastischen Sparpläne, über die die Abgeordneten am Mittwoch und Donnerstag abstimmen sollen. Eine Beteiligung der privaten Gläubiger an neuen Hilfen rückte unterdessen näher.

Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, und Europas Währungskommissar Olli Rehn hielten den Griechen vor Augen, dass die Europäische Union (EU) den Geldhahn bei einem Nein im Parlament zudrehen wird. Das Hilfsprogramm von EU, Euro-Staaten und Internationalem Währungsfonds werde nur fortgesetzt, wenn das Sparpaket durchkomme, sagte Stark der Zeitung "Die Welt". "Tut Griechenland dies nicht, gehe ich nicht davon aus, dass die internationale Gemeinschaft Griechenland über den Juli hinaus weiter finanzieren wird", sagte Stark.

Der angeschlagene Euro-Staat Griechenland wäre ohne die nächste Kredittranche aus dem insgesamt 110 Milliarden Euro schweren Rettungspaket Mitte Juli zahlungsunfähig.

kst/rtr/dpa
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