Inflation Sprit, Strom und Gas bleiben Preistreiber

Die Inflationsrate in Deutschland bleibt mit 2,3 Prozent auf vergleichsweise hohem Niveau. Nach wie vor belasten vor allem Preiserhöhungen bei Mineralölprodukten, Strom und Gas die Portemonnaies der Bundesbürger - und im Sommer könnte die Teuerungsrate noch weiter steigen.
Hoher Benzinpreis: Treibstoffkosten befeuern den Kaufkraftverlust

Hoher Benzinpreis: Treibstoffkosten befeuern den Kaufkraftverlust

Foto: Kay Nietfeld/ picture-alliance/ dpa

Wiesbaden - Im Juni kosteten Waren und Dienstleistungen durchschnittlich 2,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag nach einer ersten Schätzung mitteilte. Kräftig steigende Preise für Benzin, Heizöl und Strom hielten die Inflationsrate den sechsten Monat in Folge über der Marke von 2 Prozent, bis zu der die Europäische Zentralbank von stabilen Preisen spricht.

Auch im Mai hatte sie bei 2,3 Prozent gelegen, nachdem im April mit 2,4 ein Zweieinhalb-Jahreshoch erreicht wurde. Experten erwarten wegen des kräftigen Aufschwungs noch schneller steigende Preise.

"Die Inflationsrate wird spätestens nach der Sommerpause einen neuen Anlauf in Richtung drei Prozent machen", sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. "Die Unternehmen nutzen mehr und mehr die Möglichkeit, gestiegene Kosten auf ihre Kunden zu überwälzen. Die Spielräume dafür sind größer geworden wegen der guten Konjunktur und einer Beschäftigung auf Rekordniveau." Ähnlich sieht das Commerzbank-Analystin Ulrike Rondorf und spricht deshalb von "ersten Schattenseiten des kräftigen Aufschwungs in Deutschland".

Der Kauflaune der Deutschen tut das vorerst keinen Abbruch. Das für Juli berechnete GfK-Konsumbarometer kletterte zum ersten Mal seit vier Monaten wieder, weil die Deutschen wegen der starken Konjunktur auf sichere Arbeitsplätze und steigende Einkommen setzen. Viele Arbeitnehmer müssen dennoch mit Kaufkraftverlusten rechnen, weil die Lohnerhöhungen in vielen Branchen unter der Teuerungsrate liegen. Die Industriestaaten-Organisation OECD erwartet in diesem Jahr in Deutschland eine durchschnittliche Inflationsrate von 2,6 Prozent. Auch für die gut 20 Millionen Rentner ist das schlecht: Ihre Altersbezüge steigen ab 1. Juli nur um 0,99 Prozent.

Mögliche Zinserhöhungen keine Bremse für Deutschland

Da auch in anderen Euro-Ländern die Inflation hoch bleibt, rechnen Experten in der kommenden Woche fest mit einer weiteren Zinserhöhung durch die EZB. "Starke Wachsamkeit" sei angesichts der Preisentwicklung geboten, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in Amsterdam. Er griff damit auf Signalworte zurück, mit denen er gewöhnlich eine unmittelbar bevorstehende Zinsanhebung ankündigt. Die Währungshüter hatten im April die Zinswende eingeleitet: Zum ersten Mal seit fast drei Jahren strafften sie ihre Geldpolitik. Der Leitzins stieg vom Rekordtief von 1,00 auf 1,25 Prozent. Damit werden Kredite für Verbraucher und Unternehmen teurer, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen kann.

Aus Rücksicht auf wirtschaftlich angeschlagene Euro-Staaten wie Griechenland und Portugal dürfte die EZB ihre Zinsen aber nur vorsichtig anheben. "Die Inflationsrisiken in Deutschland sind daher beträchtlich - auch weil die EZB ihre Geldpolitik nicht an der prosperierenden deutschen Wirtschaft ausrichten kann", sagte Commerzbank-Analystin Rondorf. Im Vergleich zum Vormonat zogen die Preise wie erwartet um 0,1 Prozent, weil Reisen wegen der Pfingstfeiertage und dem Ferienbeginn in einigen Bundesländern deutlich mehr kostete. Details wollen die Statistiker am 12. Juli nennen.

kst/rtr/apd
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