Die Wirtschaftsglosse Mann-o-Mann

Frauen und Männer sind nun mal gleich - wichtig. Weil eine Gleichstellungsbeauftragte diese Wahrheit ignorierte, verlor sie ihren Job. Am Ende des Tages ist auch die Stellung der Kanzlerin gefährdet. Oder geht sie doch zu den deutschen WM-Heldinnen in die Kabine?
Sehnsüchtiges Warten auf Kabinenbesuch: Die deutsche Frauen-Fußballnationalmannschaft

Sehnsüchtiges Warten auf Kabinenbesuch: Die deutsche Frauen-Fußballnationalmannschaft

Foto: Arne Dedert/ dpa

Es trug sich zu im Harzer Städtchen Goslar. Ebendort wurde neulich eine kommunale Gleichstellungsbeauftragte, nennen wir sie Monika E., aus dem Amt gejagt mit der Begründung, ihr sei doch glatt "der Fokus verrutscht". Sie habe sich zu sehr um Männer gekümmert, also von Berufs wegen.

Geht natürlich nicht. Das fundamentale Arbeitsplatzmissverständnis hat die Republik erschüttert, und zwar bis in die weiten Flure des Berliner KanzlerInnenamtes. Der Job von Angela Merkel gilt seitdem als hochgradig gefährdet. Im Laufe ihres langjährigen politischen Wirkens hat sich die Bundes-Nanny schließlich hauptsächlich eines Geschlechts angenommen: des männlichen.

Hat Männer in allerlei Resozialisierungsmaßnahmen gesteckt, zur Nervenheilung auf Abstellgleise geschoben und sonstiges Sozialgedöns mit ihnen veranstaltet.

Einem gewissen Laurenz M., einst glückloser CDU-Generalsekretär, verschaffte sie einen Job als Schwangerschaftsgymnastiklehrer, den der junge Vater liebevoll ausfüllt.

Jenen begnadeten Wirtschaftexperten Friedrich M., der sich fatalerweise in eine Karriere als ökonomischer Vordenker verirrt hatte, leitete sie auf den rechten Pfad: Er arbeitet jetzt in der Bundestagskantine, zapft gern mal ein kaltes Pils à la Progression, verziert Bierdeckel mit x- und y-Achsen und hält penibel jeden Strich nach.

Auf ihre Initiative hin versieht ein aus Bayern entsprungener Sprachmisshandler namens Edmund S. neuerdings seinen Dienst in der Registratur einer EU-Behörde, ohne große Worte. Ins multilinguale Brüssel hat es auch den Nativespeaker Günther Oe. verschlagen, auf Anraten seiner Betreuerin. Roland K. hat sie ein Praktikum auf dem Bau vermittelt, Christian W. einen Selbstfindungskurs im Schloss.

Ja, die Indizien sind erdrückend!

Für Peer S., der an chronischer Schlaumeierei leidet und gleichwohl beim Wahlvolk beliebt ist, wird sich auch noch eine Wohlfühltätigkeit abseits des Merkel-Kosmos finden, irgendwo im weltweiten B-Währungsraum. Das Gleiche gilt für Thomas de M., der wohl bei einem auf Bundeswehrstandorte spezialisierten Immobilienmakler sein Glück machen dürfte.

Rührend sorgte sich Frau Dr. Merkel um die Akademikerlaufbahn eines Karl-Theodor zu G. ("Er hat mein volles Vertrauen"), während sie die Doktorspielereien von Silvana K.-M. ignorierte. Selbstredend besuchte sie die Kabine der Herren-Fußballnationalmannschaft; das entsprechende Frauenumziehhaus hat sie bisher gemieden.

In der Tat scheint hier der Fokus ein wenig verrutscht. Dabei könnte sich Angela Merkel von einem Kollegen abschauen, wie es anders geht. Sie wissen schon: vom Frauenförderer hinter dem Brenner.