Wirtschaftsflaute in den USA Bernankes Prognose belastet Finanzmärkte

Anhaltend hohe Arbeitslosigkeit, steigende Preise, zu geringes Wachstum - was US-Notenbankchef Ben Bernanke am Mittwochabend über die Wirtschaft der Vereinigten Staaten zu verkünden hatte, war wenig erfreulich. Die Reaktion der Finanzmärkte ließ nicht lange auf sich warten.
Unerfreulicher Anblick: Die Börse in Tokio geriet nach den Äußerungen von Fed-Chef Bernanke unter Druck

Unerfreulicher Anblick: Die Börse in Tokio geriet nach den Äußerungen von Fed-Chef Bernanke unter Druck

Foto: AFP

Washington/Tokio - Das vorläufige Ende geldpolitischer Konjunkturhilfen der US-Notenbank hat den Euro  unter Druck gesetzt. Erstmals in fünf Tagen holte der Dollar gegenüber der Gemeinschaftswährung auf. Der Euro fiel am Donnerstag in Fernost auf 1,4308 Dollar und gab damit deutlich gegenüber seinem Tageshoch vom Mittwoch bei 1,4441 Dollar ab. Trotz der schleppenden Erholung der größten Volkswirtschaft lässt die Fed ihr Anleiheprogramm vorerst ersatzlos auslaufen. Diese Entscheidung werde dem Dollar "in den kommenden Wochen ein Mindestmaß an Unterstützung geben", urteilten Analysten der BNP Paribas.

Auch zum Yen notierte die US-Währung wieder fester bei 80,51 Yen, nach einem Tief von 79,98 Yen am Vortag. Der Euro wurde zur japanischen Währung kaum verändert mit 115,22 Yen gehandelt. Der Schweizer Franken notierte unverändert bei 0,8421 Franken je Dollar und zum Euro mit 1,2050 Franken.

Die Börse in Tokio indes notierte am Donnerstagvormittag angesichts erneuter Sorgen über die US-Konjunktur leichter. Nach der negativen Vorgabe der Wall Street notierte der Nikkei-Index für 225 führende Werte zur Handelsmitte einen Verlust von 35,43 Punkten oder 0,37 Prozent beim Zwischenstand von 9594,00 Punkten. Der breit gefasste Topix büßte bis dahin um 2,78 Punkte oder 0,34 Prozent auf 826,21 Zähler ein.

US-Wirtschaft erholt sich "frustrierend langsam"

Grund für die Bewegungen an den Finanzmärkten waren die Äußerungen der US-Notenbank Fed sowie von deren Chef Ben Bernanke zur Lage der US-Wirtschaft. Rund zwei Jahre nach Ende der großen Rezession erholen sich die Vereinigten Staaten noch immer nicht mit dem erhofften Tempo. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate musste die Fed am Mittwoch ihre Konjunkturprognose senken. Die Erholung verlaufe "frustrierend langsam", sagte der Chef der Federal Reserve (Fed), Ben Bernanke, nach einer Sitzung des Offenmarktausschusses in Washington. Er deutete an, dass die seit Ende 2008 bestehende Nullzinspolitik kein baldiges Ende finden werde.

Für 2011 sei nur noch ein Wachstum zwischen 2,7 und 2,9 Prozent zu erwarten. Im April war noch eine Zunahme von 3,1 bis 3,3 Prozent vorausgesagt worden - im Januar hatte die Prognose sogar zwischen 3,4 und 3,9 Prozent gelegen. "Wir haben keine präzise Erkenntnis, warum diese niedrigere Wachstumsrate so beharrlich ist", sagte Bernanke.

Vor allem die schlechten Daten auf dem Jobmarkt zeugten von einer Schwächephase. Die Arbeitslosenquote war zuletzt wieder auf 9,1 Prozent gestiegen. Nach der neuesten Notenbank-Schätzung wird sie sich in diesem Jahr zwischen 8,6 und 8,9 Prozent einpendeln - und damit höher liegen als zuvor angenommen.

Trotz der pessimistischeren Aussichten gab Bernanke keine konkreten Hinweise auf zusätzliche Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft, schloss aber neuerliche Aktionen auch nicht aus.

Kommt US-Aufschwung im kommenden Jahr?

Die aktuelle Schwächeperiode sei weitestgehend vorübergehend, sagte der Fed-Chef. So hätten höhere Preise für Nahrungsmittel und Energie der Konjunktur geschadet. Auch die Erdbebenkatastrophe in Japan habe sich negativ auf die US-Industrie ausgewirkt. Spätestens im kommenden Jahr werde die Wirtschaft wieder schneller an Fahrt gewinnen. Als hartnäckige Bremser könnten sich jedoch Faktoren wie der schwache Häusermarkt erweisen.

Die Fed zeigte sich zunächst unbesorgt über steigende US-Verbraucherpreise und beließ ihren Leitzins wie erwartet bei 0,0 bis 0,25 Prozent. Damit geht sie weiterhin einen anderen Weg als etwa die Europäische Zentralbank, die eine neuerliche Leitzinserhöhung möglich erscheinen lässt.

Dass die Inflationsrate im Mai aufs Jahr gerechnet von 3,2 auf 3,6 Prozent gestiegen war, sehen die Notenbanker als temporäres Phänomen. Es sei vor allem auf höhere Rohstoff- und Importpreise zurückzuführen, die wieder sinken würden. Im Laufe des Jahres werde die Rate in einer Spanne von 2,3 bis 2,5 Prozent liegen.

Bernanke bekräftigte, das zweite Ankaufprogramm von Staatsanleihen über 600 Milliarden Dollar (415 Milliarden Euro) wie geplant Ende Juni auslaufen zu lassen. Mit dem "Quantitative Easing 2" sollten langfristige Zinsen gesenkt und die Amerikaner zum Konsum angeregt werden. Sollten es die Umstände erfordern, könnte die Notenbank aber zusätzliche Maßnahmen ergreifen. Dazu gehörten weitere Anleihenkäufe oder geringere Zinsen für Bankeinlangen bei der Notenbank.

cr/dpa/rtr/dpa-afx
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