Montag, 18. November 2019

Ehec-Entschädigung EU hilft Bauern mit 210 Millionen Euro

Bares Geld im Müll: Wegen der Ehec-Krise musste massenweise Gemüse entsorgt werden

Während der Ehec-Krise blieben Landwirte auf Tonnen von Gemüse sitzen. Jetzt hilft die EU den Geschädigten mit 210 Millionen Euro - Produzenten von Salat, Gurken & Co. sollen bis zu 50 Prozent ihrer entgangenen Einnahmen erhalten. Das ist Einigen aber nicht genug - unter anderem Spanien.

Brüssel - Gemüsebauern in der Europäischen Union (EU) werden für Verluste aufgrund der Ehec-Krise entschädigt. Sie erhalten rund 210 Millionen Euro aus EU-Töpfen, teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Damit stimmten die EU-Länder einem entsprechenden Vorschlag von Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos zu.

Mit dem Geld sollen betroffene Produzenten bis zur Hälfte ihrer entgangenen Einnahmen entschädigt werden. Infolge der zahlreichen Ehec-Erkrankungen besonders in Norddeutschland war der Absatz der europäischen Gemüsebauern dramatisch eingebrochen - rohes Gemüse galt zwischenzeitlich als möglicher Träger des lebensgefährlichen Darmkeims.

Ursprünglich hatte die EU-Kommission Zahlungen in Höhe von 150 Millionen Euro vorgeschlagen. Viele Länder kritisierten die Summe als zu niedrig, so dass die Kommission die Hilfen jetzt aufstockte. Während Deutschland und die Niederlande für die 210 Millionen Euro stimmten, forderten viele Länder noch mehr Geld, verlautete aus EU-Kreisen. Gegenstimmen kamen unter anderem aus Spanien, Frankreich und Polen. Enthaltungen gab es aus Italien, Griechenland und Österreich.

Weil keine qualifizierte Mehrheit zustande kam, brachte die Kommission ihren Vorschlag praktisch im Alleingang durch. Das konnte sie, weil sich die EU-Länder zusammen mit der Kommission im Vorfeld auf ein spezielles Verfahren geeinigt hatten. Ziel des Verfahrens ist es, dass das Geld möglichst schnell bei den Bauern ankommt. "Ich wollte unbedingt zeigen, dass Europa wenn nötig schnell reagieren kann", sagte Ciolos nach dem Treffen.

Hilfen für Produzenten von Gurken, Tomaten, Salat, Paprika und Zucchini

Anspruch auf Hilfen haben alle europäischen Landwirte, die beim Handel mit Gurken, Tomaten, Salaten, Paprika und Zucchini Einbußen erlitten haben. Sie sollen für ihre Ausfälle zwischen Ende Mai und Ende Juni teilweise entschädigt werden. Die Landwirte bekommen bis zu 50 Prozent von dem zurück, was sie ohne die Krise im Monat Juni verdient hätten.

Reichen die 210 Millionen Euro dafür nicht aus, bekommt jeder Bauer einen jeweils kleineren Anteil, sagte ein Sprecher. Nach dem ersten Vorschlag der Kommission hätte den Bauern maximal 30 Prozent zugestanden. Bauern, die in Produktionsgemeinschaften organisiert sind, können auf bis zu 70 Prozent Entschädigung kommen. Europaweit ist im Schnitt ein Drittel der Landwirte in Gemeinschaften organisiert - so auch in Deutschland und Spanien. In Belgien und den Niederlanden dagegen gehören ihnen nahezu alle Bauern an, in Osteuropa kaum welche.

Als Grundlage für die Berechnung der Entschädigung gelten Preise für den Monat Juni der Jahre 2007 bis 2010. Der durchschnittliche Preis für Gurken lag laut Sprecher in diesem Zeitraum bei 48 Cent pro Kilo. Damit hätten die Landwirte also Anspruch auf bis zu 24 Cent pro Kilo, das im Zuge der Ehec-Krise vom Markt genommen wurde. Bis zum 22. Juli müssen EU-Länder der Kommission mitteilen, wie hoch die Ausfälle der Bauern tatsächlich waren. Erst dann können die Hilfen berechnet werden und Gelder fließen. Das Geld soll aus dem EU-Agrarhaushalt kommen.

lgr/dpa/afp

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