Handwerk Firmen fehlen im Aufschwung die Fachkräfte

Der Arbeitsmarkt wird zum Hemmnis für den deutschen Aufschwung: Jeder vierte Handwerksbetrieb will laut einer Umfrage Leute einstellen, doch die Fachkräfte fehlen. Einige Firmen bekamen auf Stellenanzeigen keine einzige Bewerbung.
Handwerker gesucht:

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Foto: dapd

Stuttgart - Elektrotechniker, Elektromaschinenbauer, Kälteanlagenbauer dringend gesucht! Für deutsche Handwerksbetriebe ist Fachkräftemangel kein Problem der Zukunft, sondern längst Realität. Viele Betriebe fänden derzeit kein Personal, berichtete die "Stuttgarter Zeitung" unter Berufung auf eine Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).

Von 14.000 befragten Betrieben wollen demnach rund ein Viertel in den kommenden Monaten Fachkräfte einstellen. Im Schnitt hätten die Firmen zwei offene Stellen im Angebot, hieß es. Laut der Studie ist der Fachkräftebedarf am Bau besonders gravierend. Hier will rund ein Drittel der Betriebe Fachkräfte einstellen. In einigen Zweigen des Handwerks übersteigen die offenen Stellen sogar die Zahl der Arbeitslosen, hieß es. Dies treffe auf Elektrotechniker, Elektromaschinenbauer und Kälteanlagenbauer zu. Knapp ein Drittel der Betriebe gab an, dass sich kein Bewerber auf ihr Stellenangebot gemeldet habe.

Der Personalbedarf ist laut der Studie größer als in früheren Aufschwungphasen, berichtete die Zeitung. An der Umfrage hätten vor allem mittlere und große Betriebe teilgenommen. Die Umfrage bestätigt zudem Ergebnisse anderer Arbeitsmarkttest in den vergangenen Wochen.

Angehende Auszubildende beispielsweise haben in Deutschland offenbar immer mehr die Wahl, für welchen Arbeitgeber sie sich entscheiden. Zuletzt wurden so viele Ausbildungsverträge abgeschlossen, wie noch nie - und die Firmen signalisierten, noch weitere unbesetzte Stellen zu haben. Auch eine Umfrage des manager magazins unter den 30 bedeutendsten deutschen Konzerne, deren Aktien im Dax  gelistet sind, signalisierte Tausende Einstellungen im Laufe des Jahres 2011.

Handwerkspräsident setzt auf Demografiegipfel

Handwerkspräsident Otto Kentzler sagte, für die Betriebe werde es immer schwerer, gut ausgebildetes Personal zu finden. Wenn es Probleme mit der Besetzung von Stellen gibt, werde vor allem die unzureichende Qualifikation der Bewerber beklagt. Nur ein Drittel aller Betriebe gab demnach an, kein Problem mit der Mitarbeitersuche zu haben. Vor fünf Jahren habe der Anteil der Handwerker ohne Personalprobleme noch doppelt so hoch gelegen.

Gefragt sind der Umfrage zufolge neben qualifizierten Gesellen auch kaufmännische Mitarbeiter, Meister und Hochschulabgänger. Engpässe gibt es auch bei Auszubildenden. Jeder zehnte Handwerksbetrieb meldete, dass er Ausbildungsplätze unbesetzt lassen müsse.

Kentzler forderte, Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften müssten auf einem Demografiegipfel Ende Juni im brandenburgischen Meseberg den Fachkräftemangel zum zentralen Thema machen. "Wir sollten in Meseberg alle an einem Strang ziehen", sagte Kentzler. Die Anstrengungen müssten verstärkt werden, um alle interessierten Jugendlichen an eine berufliche Ausbildung heranzuführen. Dies sei zwar mühsam, die Erfolge im Ausbildungspakt zeigten jedoch, dass dies möglich sei.

Die Bundesregierung setzt sich im Kampf gegen den Fachkräftemangel bereits konkrete Ziele - und will Beschäftigte länger im Job halten. Bis Ende des Jahrzehnts sollen gut zwei Drittel der 55- bis 64-Jährigen erwerbstätig sein. Bis 2020 soll zugleich die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 20 Prozent gesenkt werden. Zudem fordern mehr und mehr Wirtschaftsexperten das Renteneintrittsalter auf 68 Jahre in die Höhe zu schrauben.

mmq/dpa/dapd/rtr
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