Strauss-Kahn-Nachfolge Israels Zentralbankchef kandidiert für IWF-Posten

Das Bewerberfeld für die Nachfolge von Dominique Strauss-Kahn wird größer: Israels Zentralbankchef Stanley Fischer hat seine Kandidatur für den Chefposten beim Internationalen Währungsfonds eingereicht - seine Chancen auf das Amt gelten allerdings als gering.
Israelischer Zentralbankchef Fischer: "Außergewöhnliche und unerwartete Chance"

Israelischer Zentralbankchef Fischer: "Außergewöhnliche und unerwartete Chance"

Foto: GIL COHEN MAGEN/ REUTERS

Jerusalem - Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde hat einen weiteren Konkurrenten im Rennen um den Chefposten beim Internationalen Währungsfonds (IWF): Am Samstag hat auch der israelische Zentralbankchef Stanley Fischer seine Kandidatur eingereicht. Es handele sich um eine außergewöhnliche und unerwartete Chance, die sich vielleicht nie wieder ergeben werde, erklärte Fischer. Nach gründlicher Überlegung habe er sich entschlossen, die Gelegenheit zu nutzen - "obwohl es ein komplizierter Prozess ist und trotz der möglichen Hürden".

Fischer tritt damit gegen Lagarde und Mexikos Zentralbankchef Agustín Carstens an. Die Französin hatte Ende Mai ihre Kandidatur bekanntgegeben, ihr mexikanischer Konkurrent hatte seinen Hut bereits kurz zuvor in den Ring geworfen.

Die Bewerbungen für die Nachfolge des zurückgetretenen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn mussten bis Freitag um Mitternacht am Sitz der Institution in Washington eingegangen sein. Die Namen aller Kandidaten dürfte der Währungsfonds offiziell frühestens Anfang kommender Woche veröffentlichen, bis Ende Juni soll der IWF-Exekutivrat dann eine Entscheidung fällen. Strauss-Kahn war zurückgetreten, weil er sich vor einem New Yorker Gericht wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung einer Hotelangestellten verantworten muss.

Der Posten des IWF-Direktors sei auf den 67-jährigen Fischer zugeschnitten, sagte der israelische Finanzminister Juval Steinitz. Er verwies dabei darauf, Fischer sei bereits stellvertretender IWF-Chef gewesen und habe zudem bei der Schwesterorganisation Weltbank gearbeitet. In seinen sechs Jahren als Israels Zentralbankchef sei er "ein Trumpf für die israelische Wirtschaft" gewesen.

Fischer dürfte im Rennen um die IWF-Führung allerdings nur eine Außenseiterchance haben. Als Favoritin gilt aufgrund der Stimmgewichte im IWF Lagarde. Traditionell wird der Posten des IWF-Chefs auch mit einem Europäer besetzt, während die USA den Leiter der Weltbank stellen. Angesichts des wachsenden Gewichts der Schwellenländer an der Weltwirtschaft haben Staaten wie China, Indien oder Brasilien diese Vereinbarung aber zuletzt in Frage gestellt.

bs/rtr/dpa
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