Cyber-Angriff Hacker attackieren IWF

Neue Dimension der Spionage: Der Internationale Währungsfonds hat einen Angriff auf sein Computernetzwerk bestätigt. Die Attacke sei groß angelegt und raffiniert geführt worden - offenbar im Auftrag eines nicht genannten Staats.
Internationale Währungsfonds: Opfer einer Spionageattacke

Internationale Währungsfonds: Opfer einer Spionageattacke

Foto: epa Robert Ghement/ picture-alliance/ dpa

New York - Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist Ziel eines Hacker-Angriffs geworden. Der Angriff auf das Computernetzwerk habe sich Anfang dieses Jahres über mehrere Monate hingezogen, er habe vor der Festnahme des inzwischen wegen Vergewaltigungsvorwürfen zurückgetretenen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn begonnen. "Das war ein sehr bedeutender Eingriff", sagte ein Mitarbeiter des IWF laut einem Bericht der "New York Times".

Der Fonds habe Ermittlungen eingeleitet, wie es zu der Cyber-Attacke kommen konnte, erklärte ein IWF-Sprecher am Samstag und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Die Arbeit der Organisation sei durch den Hacker-Angriff aber nicht beeinträchtigt. Über das Ausmaß des Schadens machte der Sprecher keine Angaben.

Nach Angaben des Internet-Sicherheitsexperten Tom Kellermann, der auch für den IWF und die Weltbank gearbeitet hat, zielte der Hackerangriff darauf, heimlich eine Software zu installieren, um einem bestimmten Staat Zugang zu Insider-Informationen des IWF über andere Länder zu verschaffen; der IWF verfügt über detaillierte Finanzdaten seiner Mitgliedstaaten, mit deren Kenntnis Bewegungen auf den Finanzmärkten beeinflusst werden können.

Die "New York Times" berichtete, das Computersystem des IWF sei in den vergangenen Monaten wiederholt von Hackern attackiert worden. Es habe sich um großangelegte, raffinierte und äußerst komplexe Cyber-Angriffe gehandelt. Das IWF-Direktorium sei darüber am Mittwoch informiert worden. Nach einem Bericht von "Bloomberg News" hätten die Hacker im Auftrag einer bestimmten Regierung gehandelt, wobei E-Mails und weitere Dokumente verloren gegangen seien. Um welche Regierung es sich handle, sei noch unklar.

Ein Sprecher der Weltbank bestätigte mittlerweile, dass die Bank zumindest zeitweilig alle Verbindungen zum Netzwerk ihrer Schwesterorganisation IWF gekappt hat. Es handle sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Das FBI hat mittlerweile eine Untersuchung eingeleitet. Die Bundespolizei arbeite eng mit dem IMF zusammen, erklärte eine Sprecherin des US-Verteidigungsministeriums. Das FBI selbst lehnte eine Stellungnahme ab.

Der IWF ist eine Art globale Finanzfeuerwehr und unterstützt hochverschuldete Staaten mit Krediten, wobei das Empfängerland im Gegenzug meist unpopuläre Reformen umsetzen muss. Die Mitarbeiter des IWF erhalten dabei in der Regel Zugang zu sensiblen Wirtschaftsdaten des jeweiligen Landes. In der Organisation sind 187 Mitgliedsstaaten vertreten.

kst/rtr/afp/apd
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