Griechenland-Plan IWF-Kandidat Carstens will Banken schonen

Warnschuss eines Schattenmanns: Auch Mexikos IWF-Kandidat Agustín Carstens geht auf Distanz zu den deutschen Griechenland-Plänen, den privaten Geldgebern des Landes einen Teil der Hilfskosten aufzubürden. Zugleich macht er Druck auf Griechenland - und buhlt um Europas Unterstützung für seine IWF-Kandidatur.
IWF-Kandidat Agustín Carstens: Verständnis für die EZB-Ablehnung der deutschen Griechenland-Pläne

IWF-Kandidat Agustín Carstens: Verständnis für die EZB-Ablehnung der deutschen Griechenland-Pläne

Foto: ? Jonathan Ernst / Reuters/ REUTERS

Hamburg - Der mexikanische Notenbankchef und IWF-Kandidat Agustín Carstens hat die Bundesregierung indirekt für ihre Forderung kritisiert, Banken an einem zweiten Rettungspaket für Griechenland zu beteiligen. "Ich finde es ungewöhnlich, in diesen schwierigen Zeiten eine private Gläubigerbeteiligung ins Spiel zu bringen", sagte Carstens der Tageszeitung "Die Welt". Über einen solchen Schritt müsse man in Ruhe diskutieren. Er könne daher den Widerstand der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen den Vorstoß aus Deutschland verstehen, erklärte Carstens. "Aber jetzt ist die Forderung in der Welt, man muss damit umgehen", sagte Carstens.

Am Freítag hatte sich der deutsche EZB-Direktor Jürgen Stark klar gegen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gestellt. Die Europäische Zentralbank werde der deutschen Regierung bei der Beteiligung privater Gläubiger im Fall einer Umschuldung Griechenlands nicht entgegen kommen.

Carstens hat Europa für den Fall seines Wahlsieges die bestmögliche Unterstützung versprochen. "Wenn ich gewählt werden sollte, werde ich alle Ressourcen mobilisieren, um Europa zu helfen", sagte der mexikanische Notenbankchef der Tageszeitung "Die Welt". Carstens knüpfte sein eigenes Schicksal an die Lösung der europäischen Schuldenkrise. "Wenn ich mich mit meinen Positionen nicht durchsetzen sollte, habe ich kein Problem damit, mein Amt zur Verfügung zu stellen", sagte der einzige Gegenkandidat der französischen Finanzministerin Christine Lagarde für den IWF-Spitzenposten.

Das Hauptmotiv für seine Kandidatur sei gewesen, den Internationalen Währungsfonds politisch unabhängiger zu machen. "Der IWF muss von der besten Person geführt werden. Wenn das Personal nach nationalen Interessen ausgewählt wird, ist die politische Abhängigkeit eher größer als kleiner", sagte Carstens mit Blick auf Lagarde. Kritik übte er an der frühen Unterstützung Europas für Frankreichs Finanzministerin. "Mich hat es schon sehr gewundert, dass Europa seine Unterstützung für Lagarde erklärt hat, ohne überhaupt den Gegenkandidaten zu kennen."

Lagarde sei erst seit vier Jahren Ministerin, er hingegen sei seit über 30 Jahren in politisch verantwortlichen Positionen. "Und ich kenne den IWF wie meine Westentasche. Deshalb bin ich der bessere Kandidat", sagte Carstens. Nur weil Europa in einer Krise stecke, müsse der IWF-Chef nicht zwangsläufig auch aus Europa kommen - im Gegenteil: "Ich bringe eine Sichtweise von außen mit, habe nicht die europäische Brille auf", sagte Carstens. Außerdem habe er breite Erfahrung im Lösen von Schuldenkrisen.

Carstens forderte Griechenland auf, seine Staatsfinanzen Ordnung zu bringen. "Wenn die Griechen ihre Zusagen nicht erfüllen, werden sie irgendwann keine Hilfen mehr bekommen", sagte er. "Das Land muss jetzt die bittere Pille schlucken." Dann könnten sich Erfolge einstellen. In der Vergangenheit hätten sich viele Schuldenstaaten schneller erholt als ursprünglich erwartet und seien erfolgreich an den Kapitalmarkt zurückgekehrt. Der Mexikaner will als IWF-Chef den Einfluss der Schwellenländer innerhalb des Währungsfonds stärken. "Die Reform im vergangenen Jahr ging zwar in die richtige Richtung, aber das waren nur Baby-Schritte", sagte er der "Welt". Gemessen an ihrer Bedeutung in der Weltwirtschaft sind die Schwellenländer im IWF noch immer unterrepräsentiert."

kst/rtr/afp