Ausbildungsverträge Deutschland wird zum Bewerberland

Davon haben Generationen nur träumen können: Angehende Auszubildende haben in Deutschland offenbar immer mehr die Wahl, für welchen Arbeitgeber sie sich entscheiden. Zuletzt wurden so viele Ausbildungsverträge abgeschlossen, wie noch nie - und die Firmen haben noch unbesetzte Stellen.
Auszubildende: Mehr Verträge, größere Auswahl

Auszubildende: Mehr Verträge, größere Auswahl

Foto: Rainer Jensen/ picture-alliance/ dpa

Düsseldorf - Die Wirtschaft reißt sich wie seit vielen Jahren nicht mehr um Schulabgänger. Bis Ende Mai hätten die Industrie- und Handelskammern rund 149.000 neue Ausbildungsverträge für das kommende Lehrjahr registriert. Das seien 13 Prozent mehr als im Mai 2010, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, dem "Handelsblatt".

Er sprach von einem neuen Rekord. "Die florierende Konjunktur und der steigende Fachkräftebedarf beflügeln den Ausbildungsmarkt", sagte Driftmann. Im Handwerk zeige der Trend ähnlich steil nach oben. Industrie und Dienstleister bilden rund zwei Drittel aller Lehrlinge aus, das Handwerk ein Drittel.

Die Lage der angehenden Auszubildenden hierzulande bessert sich nicht isoliert von der Lage auf dem gesamten Arbeitsmarkt. Vor wenigen Tagen waren in der Bundesrepublik so viele Erwerbstätige gezählt worden, wie noch nie seit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten - und auch noch nie in der Bundesrepublik Deutschland zuvor.

Dennoch: Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge bis Oktober, wenn das neue Lehrjahr beginnt, wird wohl allenfalls um 5 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen, prognostiziert der DIHK. Denn für einen größeren Anstieg fehlten trotz doppelter Abiturjahrgänge in Bayern und Niedersachsen und der Aussetzung der Wehrpflicht die Bewerber: "Die Zahl der Abgänger aus Haupt- und Realschulen wird 2011 um 3,5 Prozent zurückgehen." Driftmann befürchtet daher, dass auch in diesem Jahr wieder mehr als 50.000 Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben.

kst/dpa
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