Erste Anhörung Strauss-Kahn muss sich vor Gericht erklären

Dominique Strauss-Kahn nimmt heute erstmals vor dem Richter zu den gegen ihn erhobenen Vergewaltigungsvorwürfen Stellung. Es wird erwartet, dass er sich in allen Anklagepunkten nicht schuldig bekennt. Dem zurückgetretenen IWF-Chef wird vorgeworfen, Mitte Mai ein Zimmermädchen sexuell angegriffen zu haben.
Dominique Strauss-Kahn: Der ehemalige IWF-Präsident wird auf nicht schuldig plädieren

Dominique Strauss-Kahn: Der ehemalige IWF-Präsident wird auf nicht schuldig plädieren

Foto: EMMANUEL DUNAND/ AFP

New York - Nur fünf Minuten könnte die Runde dauern, auf die alle Welt am heutigen Montag im New Yorker Supreme Court harrt. Denn der Angeklagte, Dominique Strauss-Kahn (62), dürfte allenfalls wenige Worte raunen. Seine Verteidiger lassen keinen Zweifel daran, dass der einst mächtigste Finanzier der Welt und potenzielle Kandidat für das französische Präsidentenamt sich "nicht schuldig" erklärt. Fraglich ist jedoch, ob er das Bekenntnis selbst abgibt oder von seinen Anwälten verlesen lässt.

Die sieben Anklagepunkte wegen sexueller Gewalt gegen ein Zimmermädchen aus dem afrikanischen Guinea in einem Luxushotel am Times Square könnten den 62-Jährigen 25 Jahre hinter Gitter bringen. Doch Strauss-Kahns steinreiche Frau, Anne Sinclair, finanziert eine Verteidigung, die ihresgleichen sucht. Joker ist der berühmte Anwalt Benjamin Brafman, der Prominente wie Michael Jackson, Jay Z und P Diddy auf der Liste seiner ehemaligen Klienten stehen hat.

Brafman hat nach Medienberichten die PR-Firma eines früheren CIA-Agenten, TD International, und das auf Detektivarbeit spezialisierte Unternehmen Guidepost Solutions auf seiner Seite. Ziel des Teams ist demnach, die Klägerin, eine 32-jährige muslimische Witwe, nach Möglichkeit in ein schlechtes Licht zu rücken. Gleichzeitig sollen PR-Experten das Ansehen des Angeklagten in der Öffentlichkeit wieder aufpolieren und somit für eine milder gestimmte Jury sorgen.

Ein neues Gesetz im Staat New York verbietet, die sexuelle Vergangenheit eines Vergewaltigungsopfers vor den zwölf Geschworenen zu zerpflücken. Damit bleibt der Verteidigung nur, die Frau als Lügnerin darzustellen und Hinweise auf ihre angebliche Promiskuität oder Geldgier an die Presse zu lancieren. Ein weiteres New Yorker Gesetz untersagt der Verteidigung, die Klägerin, laut Klageschrift das Opfer einer Vergewaltigung, durch eine finanzielle Abfindung mundtot zu machen.

Prozess soll noch in diesem Jahr beginnen

Nachdem aus Kreisen der New Yorker Polizei laut wurde, dass Samenspuren auf dem Uniformkragen des Zimmermädchens mit der DNA von Strauss-Kahn übereinstimmen, gibt es offensichtlich keinen Zweifel am erfolgten Geschlechtsverkehr. Fraglich ist nur, ob der orale Sex von Strauss-Kahn erzwungen wurde, wie die Klägerin sagt, oder ob der Akt im gegenseitigen Einvernehmen geschah, wie die Verteidigung wohl behaupten wird. Es sei die einzige Strategie, die ihr bliebe, sagen Rechtsexperten.

Auch für die Gegenseite steht viel auf dem Spiel. Für den New Yorker Oberstaatsanwalt Cyrus Vance Jr. ist Strauss-Kahn der erste große Fisch seit Beginn seiner Amtszeit vor gut einem Jahr. Vance ist der Sohn des ehemaligen US-Außenministers Cyrus Vance Sr. und seit jeher bemüht, dem Schatten des berühmten Vaters zu entrinnen. Auch er hat ein beachtliches Team um sich versammelt und wird nach Einschätzung von Beobachtern auf Messers Schneide darum kämpfen, den Angeklagten hinter Gitter zu bringen.

Die Vorbereitung des Prozesses könnte bis zu einem Jahr dauern. In US-Medien heißt es, dass beide Seiten daran interessiert sind, den Prozess noch in diesem Jahr anlaufen zu lassen. An Spannung dürfte es dann erst recht nicht mangeln.

sk/dpa-afx
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