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Land im Bürgerkrieg: Jemens Präsident schwer verletzt

Foto: Yahya Arhab/ dpa

Jemen Jubel über Ausreise von Präsident Salih

Die Lage im Jemen wird chaotischer: Tausende Oppositionsanhänger jubeln über die Ausreise des verletzten Präsidenten Salih, der sich nach einem Granatenangriff auf seinen Palast in Saudi-Arabien behandeln lässt.  Zugleich eskaliert die Gewalt, vielerorts wird blutig gekämpft.

Sanaa - In mehreren Städten des Jemen haben am Sonntag Tausende Menschen die Ausreise des verletzten Präsidenten Ali Abdullah Salih nach Saudi-Arabien gefeiert. Demonstranten sangen auf den Straßen. "Es ist vorbei, das Regime ist gestürzt", riefen viele vor der Universität in der Hauptstadt Sanaa. "Heute ist ein neuer Jemen geboren", skandierten andere an dem zentralen Ort der monatelangen Proteste gegen Salih. Sie schlachteten Kühe, um den Weggang Salihs zu feiern. Viele schwenkten jemenitische Fahnen und machten das Siegeszeichen.

Salih war am Freitag bei einem Granatenangriff auf den Präsidentenpalast verletzt worden, elf seiner Wachleute kamen ums Leben. Laut einem Vertrauten Salihs trug er bei der Attacke Verbrennungen und Kratzer im Gesicht und an der Brust davon. Salih war in der vergangenen Nacht in Saudi-Arabien eingetroffen und wurde in ein Militärkrankenhaus gebracht.

Land im Chaos

Der BBC zufolge könnten die Verletzungen ernster sein: In der Herzgegend des 69-Jährigen stecke ein 7,6 Zentimeter langes Schrapnell, berichtete der Sender unter Berufung auf Regierungskreise. In der Öffentlichkeit hatte sich der Präsident seit dem Angriff nicht blicken lassen.

Salih verließ das Land in Begleitung seiner beiden Frauen und einiger seiner Kinder, wie aus Regierungskreisen verlautete. Der Gewährsmann sagte, er und andere Regierungsvertreter hätten erst nach der Abreise des Präsidenten von dessen Plänen erfahren.

Die Massenproteste gegen Salih, der seit 33 Jahren herrscht und durch die Kundgebungen zum Rücktritt gezwungen werden soll, halten inzwischen seit rund vier Monaten an. Das Land droht aber auch nach der Abreise Salihs ins Chaos abzudriften: Ungeachtet einer Waffenstillstandsvereinbarung waren erneut Schüsse und Explosionen in der Hauptstadt Sanaa zu hören.

Zehn Menschen seien bei einem Granatenangriff auf ein Gebäude verletzt worden, das von abtrünnigen Militärs genutzt werde, berichtete der Fernsehsender al-Dschasira. In der Stadt Tais im Süden des Landes sollen Bewaffnete etliche Gebäude gestürmt haben. Agenturen berichteten von mehreren Toten.

In Sanaa waren Schüsse nach Angaben der Augenzeugen vor allem im Stadtteil Hassaba zu hören, wo es in den vergangenen Wochen zu heftigen Kämpfen zwischen Anhängern des Präsidenten und Mitgliedern des mächtigen Hasched-Stamms gekommen war.

Wer folgt auf Salih?

Unklar ist, wer zumindest vorübergehend für Salih regieren soll. Nach der jemenitischen Verfassung wird Salih während seiner Abwesenheit von Vizepräsident Abdel Rabbo Mansur Hadi vertreten, der sich bislang jedoch nicht öffentlich äußerte. Beobachter halten es für unwahrscheinlich, dass sich Salih, selbst wenn er bald zurückkehren sollte, an der Macht halten könne.

Bislang wurde allgemein angenommen, dass Salih seinen Sohn Ahmed als Nachfolger aufgebaut hat. Ahmed dürfte wohl im Land zurückgeblieben sein, was Befürchtungen eines gewaltsamen Machtkampfs zwischen Salih-Getreuen und Stammeskämpfern verstärkte.

Hinter den Kulissen laufen möglicherweise schon Planungen für eine Regierung ohne Salih. Wenige Stunden nach der Ausreise des verletzten Präsidenten traf sich ein Stellvertreter mit dem US-Botschafter Gerald Feierstein, meldete der Nachrichtensender al-Arabija.

Die USA messen dem Jemen große Bedeutung bei, weil das arabische Land ein Rückzugs- und Rekrutierungsland für das Terrornetzwerk al-Qaida ist. In den vergangenen Jahren hatte die US-Armee mehrfach mit Duldung Salihs im Jemen Terrorverdächtige mit Kampfdrohnen getötet. Mehrere Staaten haben ihre Diplomaten aus Sanaa abgezogen. Auch Deutschland schloss vorübergehend seine Botschaft

am/rtr/dpa/dapd
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