Mittwoch, 13. November 2019

Versorgungsmangel Ehec-Engpass in deutschen Hospitalen

Universitätsklinikum Hamburg (UKE): Bundesgesundheitsminister Bahr kommt auf Visiste

Diese Nachricht beunruhigt: Durch die Ehec-Behandlungen ist in manchen Krankenhäusern ein Versorgungsengpass entstanden. Das Problem könne aber gelöst werden, sagt Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Jetzt wurde ein Krisengipfel anberaumt, während weitere Staaten hiesiges Gemüse ablehnen.

Berlin - Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat eingeräumt, dass durch den aggressiven Darmkeim Ehec in manchen Krankenhäusern Engpässe entstanden sind. "Bild am Sonntag" sagte Bahr, dass es in der Krankenversorgung eine angespannte Lage gebe. Bewältigen könne man dies damit, dass fehlende Kapazitäten - etwa in den Städten Hamburg und Bremen - durch freie Plätze in den umliegenden Krankenhäusern ausgeglichen würden, betonte der Minister.

Aus Angst vor dem Darmkeim Ehec hat nun auch Katar die Einfuhr von Gemüse aus Deutschland und Spanien verboten. Das Verbot gelte für Gurken, Tomaten und Salat aus den beiden Ländern, berichtete am Samstagabend die amtliche Nachrichtenagentur QNA. Die Gesundheitsbehörden des Golfstaates würden die Entwicklung weiter verfolgen "und notfalls nicht zögern, Gemüse aus allen europäischen Ländern zu verbieten".

Am Sonntag will sich Bundesgesundheitsminister Bahr nun im Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf (UKE) einen Überblick zur Versorgungslage von Ehec- und Hus-Patienten verschaffen. Im UKE werden zahlreiche an dem Darmkeim Erkrankte intensivmedizinisch versorgt. Für kommenden Mittwoch ist nach Informationen von "Bild am Sonntag" ein Ehec-Krisengipfel mit Bahr und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) sowie mit den Fachministern der Länder vermutlich in Berlin geplant.

Unterdessen hat die EU-Kommission angekündigt, dass sie Deutschland bei der Suche nach dem Ehec-Ausbruchsort helfen will. EU-Gesundheitskommissar John Dalli bot an, EU-Experten zu schicken. Außerdem soll eine Ehec-Internetplattform bis Montag auf die Beine gestellt werden, über die Behörden gezielt Informationen austauschen können. Unter anderem sollen zudem Hinweise auf Behandlungsformen vom RKI ins Englische übersetzt und den EU-Staaten bereitgestellt werden. Der Ausbruch soll am Montag auch eines der Themen beim Treffen der EU-Gesundheitsminister in Luxemburg werden.

Biogasanlagen als Brutlabor für Katastrophenkeime?

Einige Veterinär- und Labormediziner halten eine Herkunft des tödlichen Ehec-Erregers aus Biogasanlagen für möglich. In den Gär-Behältern der immer zahlreicher werdenden Biogasanlagen entstünden Bakterien, die es zuvor noch nie gegeben habe, sagte Bernd Schottdorf, Gründer des mit 1500 Mitarbeitern größten privaten europäischen Medizinlabors Schottdorf MVZ in Augsburg, der "Welt am Sonntag". Die Bakterien kreuzen sich Schottdorf zufolge in den Anlagen und verschmelzen miteinander. "Was da genau passiert, ist weitgehend unerforscht." Diese noch nie da gewesene Mischung aus Krankheitserregern werde dann als Düngemittel auf die Äcker gebracht.

Schottdorf hält es deshalb für dringend nötig, die Biogasanlagen in Deutschland schnell auf mögliche Krankheitserreger zu untersuchen. Sonst drohe möglicherweise die Gefahr weiterer Epidemien. Der Leiter der Agrar- und Veterinärakademie in Horstmar-Leer, Ernst Günther Hellwig, hält dies der Zeitung zufolge ebenfalls für vorstellbar.

Nach Ehec-Infektionen sind in Deutschland bisher mindestens 18 Menschen gestorben, die genaue Quelle des Keims ist noch immer unklar. Wegen der unklaren Verbreitungswege des Darmkeims raten die deutschen Behörden weiterhin, vorsichtshalber vor allem in Norddeutschland Tomaten, Gurken und Blattsalate nicht roh zu essen.

kst/apd/rtr/dpa

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