Mittwoch, 13. November 2019

Ehec-Krise Bauern klagen über Millionenschäden

Weg damit: Bauern entsorgen und verbuddeln derzeit tonnenweise Gemüse auf ihren Feldern

Der Käuferstreik der Verbraucher im Zuge der Ehec-Krise kommt die deutschen Landwirte teuer zu stehen. Sie müssen ganze Gemüse-Ernten unterpflügen. Der Bauernverband beziffert den wöchentlichen Schaden auf 30 Millionen Euro. Die EU soll jetzt Entschädigungen prüfen.

Berlin - Die Angst vor rohem Gemüse wegen des gefährlichen Darmkeims EHEC sorgt bei den deutschen Bauern für Umsatz-Einbrüche in Millionenhöhe. "Unsere Gemüsebauern haben jetzt wöchentlich einen Schaden von 30 Millionen Euro", sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner am Mittwoch dem Fernsehsender N24.

Das Gemüse müsse untergepflügt oder vernichtet werden. Dies sei ein "dramatischer Zustand". Er kritisierte, dass sich die Experten bei der Suche nach dem EHEC-Keim zu einseitig auf Gemüse festgelegt hätten, anstatt auch an anderen Stellen danach zu suchen.

"Diese Festlegung auf Gurken, Tomaten und Salat hat zum einen die Ausbreitung der Seuche nicht verhindert und auf der anderen Seite für die Landwirtschaft einen extrem riesigen Schaden verursacht", sagte Sonnleitner. Man hätte viel besser daran getan, Hygienemaßnahmen richtig umsetzen: "Händewaschen, Gemüse waschen oder schälen, dann gibt es keine Ansteckungsgefahr."

Bundesagrarministerin Ilse Aigner sowie ihre niederländischen und spanischen Kollegen wollen sich auf EU-Ebene für eine Entschädigungen der betroffenen Landwirte für Einnahmeausfälle infolge der Ehec-Infektionen stark machen. Sie werde am Nachmittag dazu mit EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos sprechen, sagte Aigner in Berlin.

Kritik am Krisenmanagement wies Aigner vor einer Sondersitzung des Agrar- und Verbraucherschutzausschusses wie auch in der Sitzung zurück. Die Behörden hätten von Anfang an zusammengearbeitet. Bislang sei es aber nicht gelungen, die Ursache des Geschehens zu finden, räumte sie ein.

Die Experten seien sich nach der Befragung von Patienten einig, dass vor allem Tomaten, Gurken und Blattsalate, die hauptsächlich in Norddeutschland verzehrt worden seien, als Überträger infrage kämen. Die Verunreinigungen könnten nicht nur bei der Erzeugung sondern auch bei Transport und Verpackung entstanden sein.

Rei/dapd/reuters

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